Die Biermösl Blosn schreckt vor nichts zurück. Sie fürchtet weder Gott noch die Welt, weder Warsteiner noch ein Ambiente, das sie mit einer Mehrzweckhalle vergleichen. Martin Deibl hat festgestellt, dass jeder Auftritt der drei Well-Brüder anders ist, auch der in der Gersthofen.

Aber das ist es ja gerade, was die Besucher hören wollen. Die Well-Brüder nehmen kein Blatt vor die derb altbairisch formulierenden Münder. Das funktioniert seit 1976, dem Gründungsjahr. Vor allem deshalb, weil die Drei den Menschen genau aufs Maul schauen, den Politikern kräftig auf die Finger klopfen und das Ganze musikalisch höchst gekonnt in Szene setzen. Am Schluss des umjubelten Auftritts ist die Bühne voll mit verschiedenen Instrumenten und nur gut, dass die drei Alphörner noch Platz haben, um den Soundtrack für den Film über "Bruno und Flocke" spielen zu können. Jeder Auftritt ist anders, weil Christoph, Hans und Michael Well Land und Leute zwischen Lech und Paar kennen und sich notfalls fremder Hilfe bedienen, um den Auftritt in Gersthofen, "der Wohlfühlstadt im Augsburger Land", mit Lokalkolorit zu markieren. Und so wird im "Gewerbe-Eldorado" auch die Krähenplage besungen, gegen die der Bürgermeister mit Blasmusik in den Stadtpark zog, um dort aber nicht die Vögel, sondern nur die Leute zu vertreiben. Das altbairische Selbstbewusstsein springt speziell Christoph Well aus allen Knopflöchern seiner Lederhose und das hört sich dann in der Beschreibung seiner Heimat so an: "Bei uns hat jeder g'standne Moa a Aktien- und a Bierdepot."
Das ist bestimmt nicht mit Warsteiner gefüllt, denn mit dieser Brewery trägt die Biermösl seit Jahren einen Rechtsstreit aus, der Ludwig Thoma schmecken würde. Das Bier jedoch mundet den dreien (von 15 Kindern) gar nicht und das sagen sie laut und deutlich. Nun hat sich Müllermilch eingereiht: deren Weihenstephaner Milch komme aus Sachsen, ätz die Blosn. Die Antwort auf den Brief der Anwälte hätten sie Herrn Müller gerne persönlich zugeschickt, was aber in Ermangelung der Steueradresse in Zürich nicht möglich war.
Neben Christoph, Hans und Michael spielt der Drexler Toni eine Hauptrolle, auch wenn er nicht leibhaftig auf der Bühne steht. Den Kreisheimatpfleger gibt's wirklich und als solcher weiß er, dass der Nabel der Welt in Hausen ist. Er erläutert die Entwicklung des Schuhplattlers zum Flamenco und die der Drehleiter, im Mittelalter gegen die Cholera eingesetzt, derzeit erfolgreich gegen die Schweinegrippe.
Das Finale ist furios: Christoph als Rocker, der sein Auto zerschrottet. Und doch immer noch einen Trumpf in der Hinterhand hat, sollte er den Depperltest für den Führerschein nicht bestehen: Dann macht er den Flugschein auf dem "International Airport Mühlhausen". Aber bitte mit Platzrunden in der Region.
Mit dem Konzert wurde das Gersthofer "Zwangsarbeiter-Projekt" durch den Veranstalter, die Stadthalle Gersthofen, sowie die Biermösl Blosn unterstützt. Martin Deibl
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