Einen Schatz im Feuerwehrhaus - den hat wahrlich nicht jede Gemeinde. Ustersbach aber schon. Vielleicht ist dieser Schatz, in Geld gemessen, gar nicht so wertvoll. In seiner historischen Bedeutung für Mittelschwaben hingegen schon. Ustersbach hat eines der am besten bestückten und erhaltenen Gemeindearchive im gesamten Umkreis von Augsburg. Archivar Christoph Lang hat in dreijähriger Arbeit diesen Schatz nun gehoben, das heißt, er hat ihn geordnet. Von Jana Tallevi Von Jana Tallevi



Ustersbach Einen Schatz im Feuerwehrhaus - den hat wahrlich nicht jede Gemeinde. Ustersbach aber schon. Vielleicht ist dieser Schatz, in Geld gemessen, gar nicht so wertvoll. In seiner historischen Bedeutung für Mittelschwaben hingegen schon. Ustersbach hat eines der am besten bestückten und erhaltenen Gemeindearchive im gesamten Umkreis von Augsburg. Archivar Christoph Lang hat in dreijähriger Arbeit diesen Schatz nun gehoben, das heißt, er hat ihn geordnet.
Jetzt ist das Gemeindearchiv mit seinen ersten schriftlichen Zeugnissen aus der Zeit um 1780 bis zur Umsiedlung der Verwaltung 1978 öffentlich zugänglich und nutzbar. Gleichzeitig ist eine Art kleines Museum entstanden, denn das Archiv ist in der ehemaligen Kanzlei der Gemeinde im Feuerwehrhaus untergebracht, und zwar in den originalen Schränken. Außerdem steht auch noch der ehemalige Schreibtisch der Gemeindeschreiber in dem Raum, "sogar die Bleistifte aus der Zeit von vor 30 Jahren liegen noch bereit", so Christoph Lang. Und von den Wänden blicken beim Nachschlagen die Bürgermeister von Ustersbach seit 1865 von ihren Fotoporträts.
Eine einsame Arbeit sei es gewesen, in diesem kleinen Archiv, gibt Christoph Lang unumwunden zu. Vor ihm ein Berg von Papier, "bei dem teilweise wohl einfach jemand zu faul zum Wegschmeißen war", und stundenlang kein Ansprechpartner. Hunderte von Stunden an Arbeit steckt Lang, der in dieser Zeit hauptberuflich als Archivar zunächst in Neusäß, dann in Aichach, tätig ist, in diesen Haufen. Schließlich kommt ein geordnetes, ungewöhnlich vollständiges Archiv heraus: Protokolle von Ratsbeschlüssen, Rechnungen für die Schulstiftung, Notariatsurkunden über Grundstücksgeschäfte, Berichte über das Armenwesen in Ustersbach, all das ist noch vorhanden.
Die Schriftstücke werden, soweit sie nicht in Bänden gebunden sind, in graublauen Archivkartons gebündelt. Graublau sind sie deshalb, so der Fachmann, weil es sich hierbei um einen säurefreien, basisch gepufferten Karton handelt, in dem Papier länger haltbar ist. Christoph Lang erstellt am Ende seiner Arbeit ein Findbuch, praktisch das Herzstück eines Archivs. Hier ist genau verzeichnet, an welchem Fleck der 30 Meter Akten welches Schriftstück zu finden ist.
Die Geschichte eines gesamten Dorfes und seiner Menschen, oft die Vorfahren jener, die heute noch in Ustersbach leben, ist in diesem Archiv verzeichnet. Dabei sei es kein Zufall, dass ab der Zeit um 1865 die Aktenlage stark zunehme. Denn erst seit dieser Zeit konnten die meisten Menschen Lesen und Schreiben, "und das ist überhaupt die Voraussetzung für eine kommunale Selbstverwaltung", erklärt Lang.
Der Archivar selbst konnte während seiner Arbeit des Ordnens freilich kaum inhaltlich arbeiten. Und doch hat er einige Dinge entdeckt, die nun viel Raum zum Forschen lassen. Die Arbeit von Historikern wird es nun sein, die Archivalien in verstehbare Geschichte zu verwandeln, wie es Dr. Peter Fleischmann, Direktor des Staatsarchivs Augsburg, beim Tag der offenen Tür verstand. So finden sich im Ustersbacher Archiv eine ganze Reihe von Kriegsrechnungen aus der Zeit der napoleonischen Feldzüge. Doch was es für eine Ortschaft von wenigen Hundert Menschen bedeutet, wenn ein Heer von 20 000 Männern durchzieht und "wie die Heuschrecken", so Fleischmann, alles Essbare für Mensch und Tier mitnimmt, das lässt sich nicht ganz so einfach aus einem Archiv herauslesen.
Auch über die Zeit des Dritten Reichs in Ustersbach gibt das Archiv Aufschluss, und eines kann Christoph Lang gleich sagen: Einen "Obernazi" hat es hier wohl nicht gegeben. In diesem Zusammenhang hat er auch Aufzeichnungen aus dem Kindergarten von 1942 gefunden. Da hatten die Kindergärtnerinnen genau verzeichnet, was sie über viele Wochen hinweg mit ihnen anvertrauten Mädchen und Buben gemacht hatten.
Vielleicht schon bald wird die Geschichte von Ustersbach nun die Grundlage für eine Doktorarbeit bilden. Eine Anfrage, hier arbeiten zu können, ist bei Kreisarchivpflegerin Claudia Ried nämlich bereits aus München eingegangen.
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