Montag, 23. Oktober 2017

28. Januar 2009 19:45 Uhr

Thierhaupten

Die Auerochsenherde ist nur noch halb so groß

Wo sind die restliche Auerochsen? Statt bisher zehn Tieren tummeln sich im Thierhauptener Weideprojekt "Brunnenwasser" auf einmal nur noch fünf Stück. Bürgermeister Franz Neher nennt die Gründe.

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Thierhaupten (mst) - Wo sind die restliche Auerochsen? Statt bisher zehn Tieren tummeln sich im Thierhauptener Weideprojekt "Brunnenwasser" auf einmal nur noch fünf Stück. Bürgermeister Franz Neher bestätigt: Die Auerochsenherde musste verkleinert werden!

Schon letztes Jahr seien der Landschaftspflegeverband Augsburg als Träger des 2005 gestarteten Projekts und die Gemeinde Thierhaupten als Besitzer der urwüchsigen Tiere aufgefordert worden, den Bestand abzubauen. Denn wenn Tiere ganzjährig im Freiland gehalten werden, wie das bei den Auerochsen der Fall ist, sollte nicht mehr als eine Großvieheinheit auf einen Hektar kommen; in Thierhaupten waren es aber 1,7.

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Zu viele Tiere führen aber zu Trittschäden auf der Wiese und in der Folge können sich unerwünschte Pflanzen ausbreiten. Aber auch andere Tiere - zum Beispiel Frösche - könnten unter die Hufe der Auerochsen geraten. "Im Brunnenwasser leben viele seltene Arten wie Bekassinen und der Eisvogel", betont Neher, wie wichtig es ist, dass die Zahl der Auerochsen nicht überhandnimmt und das erfolgreiche Weideprojekt gefährdet.

Doch wohin mit den Tieren? Bereits im November letzten Jahres nahm die Gemeinde auf Vermittlung von Walter Frisch, dem Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Auerochsenzucht, Kontakt mit den Comboni-Missionaren in Ellwangen auf. Der Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis (Baden-Württemberg) wollte mit den Missionaren ein Naturschutzprojekt ähnlich dem im Thierhauptener Brunnenwasser starten.

Eine neue Heimat bei den Comboni-Missionaren

"Die Ordensleute waren hier und haben sich die Auerochsen angeschaut", berichtet Neher und freut sich über den ständigen Brief-Kontakt, der daraufhin entstanden sei und den die Marktgemeinde Thierhaupten aufrechterhalten wolle - zum Beispiel um später Tiere zu tauschen und damit ständige Inzucht zu vermeiden.

Die Comboni-Missionare haben drei weibliche Tiere aus Thierhaupten "für gutes Geld" erworben, so Neher. Zwei Bullen habe man nach Neuwied in Nordrhein-Westfalen verkauft. Auch künftig werde man nicht umhin kommen, weitere Auerochsen zu verkaufen - selbst wenn die Tiere vielen Thierhauptenern und Besuchern des Brunnenwassers ans Herz gewachsen sind. "Ohne ständige Verkäufe gefährden wir die Nachhaltigkeit des Weideprojekts und die Zuschüsse aus dem bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm", verdeutlicht Neher.

Auf längere Sicht soll das Gebiet erweitert werden

Nicht aufgeben will der Bürgermeister dagegen die Hoffnung auf eine Erweiterung des Brunnenwassers. Mittel aus dem bayerischen Naturschutzfonds stünden dafür schon bereit. "Am liebsten würden wir einen vier bis sechs Hektar großen Streifen direkt westlich des alten Brunnenwassers erwerben, jedenfalls ist das unsere mittelfristige Zielsetzung." Dann könnte auch die Auerochsenherde ein wenig größer werden. "Alles hängt davon ab, ob die Eigentümer bereit sind mitzumachen", sagt der Bürgermeister. Der Markt Thierhaupten würde den Besitzern Tauschflächen anbieten. Doch ob es gelingt, dieses "Vorzeigeprojekt" des Landschaftspflegeverbands wirklich zu vergrößern, sei derzeit noch ungewiss.

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