Gersthofen Ramona tippt mit dem Zeigefinger auf das leuchtende Dreieck in der Mitte. Mit einer weiten Armbewegung schiebt die Achtklässlerin das Schild über die berührungsempfindliche Tafel und ordnet es dort zwischen anderen Gefahrenzeichen ein. So sieht heute eine Unterrichtsstunde über Sicherheit am Arbeitsplatz aus. Ramona besucht die Mittelschule in Gersthofen. Es war die erste Schule im Landkreis Augsburg, in der ein sogenanntes interaktives Whiteboard hing. Von Yvonne Salvamoser
Verbunden mit einem Projektor und einen Computer kann der Lehrer mit seiner Klasse damit im Internet surfen, Fotos und Filme ansehen oder Dokumente bearbeiten und speichern. Nun verschiebt der 14-jährige Thomas ein Schild in die richtige Ecke und schreibt mit einem Stift "Schutzbrille tragen" daneben. Leicht zeitverzögert erscheinen die Buchstaben auf der virtuellen Tafel. Daneben, an der Wand, hängt noch die alte, grüne Tafel, die mit Kreide bearbeitet wird - ein Auslaufmodell.
Immer wieder läuft einer der Achtklässler nach vorne, ordnet und beschriftet die Schilder oder sortiert Zeichen in der falschen Farbe aus. Die Schüler sind ständig in Bewegung - ohne dass es im Klassenzimmer unruhig wird. Genau das ist es, was für Karl-Hermann Werner einen der wesentlichen Vorteile des interaktiven Whiteboards ausmacht. "Der Schüler wird selber aktiv", sagt der Leiter des Medienzentrums für den Kreis Augsburg. Diese neue Technik komme dem Paradigmenwechsel in der Pädagogik sehr entgegen. Längst habe man erkannt, dass Schüler Dinge besser im Gedächtnis behalten, wenn sie sie selbst machen, sie sich selbstständig aneignen und nicht nur vom Lehrer gesagt bekommen.
Die Schüler der 8b arbeiten gerne mit dem Whiteboard, weil es "Spaß macht", sagt Klassensprecher Manuel. Lehrerin Kathrin Heinrich weiß die Speicherfunktion zu schätzen. Was auf der grünen Tafel einfach weggewischt wird, kann man auf dem Computer speichern und jederzeit wieder aufrufen. Man müsse allerdings aufpassen, dass das Whiteboard nicht einfach als reines Präsentationsmedium genutzt wird und den Lehrervortrag nur mit bunten Bildern begleitet, meint sie. Zudem müsse man sich einarbeiten und üben, um mit der neuen Technik richtig umgehen zu können.
Die interaktiven Tafeln sind auf dem Vormarsch. Wie viele davon bereits in den Klassenzimmern der Region hängen, lässt sich aber schwer schätzen. Im Augsburger Land gäbe es sie noch nicht an allen Schulen, sagt Werner. Während Gymnasien und Realschulen gut ausgestattet seien und die Mittelschulen nachziehen, sei die Technik an Grundschulen noch selten. Armin Falkenhein, Sachgebietsleiter beim Landratsamt Augsburg, sagt, man wolle sich dem bayerischen Durchschnitt annähern. Der liege bei zwei Whiteboards pro Schule. "Die Schulen sollen erst einmal Erfahrungen sammeln."
Auch beim Schulamt Aichach-Friedberg hält man die interaktiven Tafeln für "wünschenswert", erklärt Manfred Zwerenz. Er weiß aber, dass die besten Geräte und die spezielle Software momentan rund 4500 Euro kosten. Für Gemeinden, die es zahlen müssen, eine Hemmschwelle. Der Augsburger Medienzentrumsleiter Werner aber glaubt, dass es am Geld langfristig nicht scheitert. Auch die Tageslichtprojektoren seien anfangs teuer gewesen und es gab nur wenige. Nun sind sie Standard - und würden sogar schon von Beamern verdrängt.
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