Täfertinger Maibaumfreunde machen auf Versäumnis der Vereine aufmerksam. Diese konnten sich nicht einigen.


von Lena Bauer
Eine Toilettenschüssel und graue Fetzen anstatt bunter Bänder – der Baum, der seit Dienstag in Neusäß steht, ist nicht schön geschmückt wie die vielen Maibäume im Landkreis, sondern verunstaltet. Es ist ein Schandbaum. Die Maibaumfreunde Täfertingen haben ihn aufgestellt, um den Neusässern vor Augen zu führen, dass es eine Schande sei, keinen Maibaum aufzustellen. „Die Neusässer haben es nicht hinbekommen, eine Maifeier auszurichten und einen Baum aufzustellen. Wir haben das gesehen und spontan den Schandbaum organisiert“, berichtet Manuel Liebl von den Täfertinger Maibaumfreunden. Etwa 20 Mitglieder zähle die Gruppe, den Täfertinger Maibaum haben sie in diesem Jahr aufgestellt, den Aystetter gestohlen – und zum ersten Mal auch einen Schandbaum hergerichtet – für Neusäß.
Bürgermeister Hansjörg Durz nimmt den Streich mit Humor: „Das ist doch lustig“, sagt er. Dass es den Vereinen in diesem Jahr nicht gelungen ist, ein Maifest mit dazugehörigem Baum auf die Beine zu stellen, bedauert er allerdings. „Es ist ein Brauch, der stark mit Gemeinsinn zu tun hat und das muss aus den Vereinen selbst kommen.“ Daran sei es in diesem Jahr gescheitert: „Die Vereine konnten sich nicht einigen, wie sie das Fest gemeinsam umsetzen.“ Die Stadt habe sogar noch versucht zu vermitteln. Ohne Erfolg.
Auch bei der Neusässer Feuerwehr ist das Bedauern groß: In den vergangenen Jahren habe die Feuerwehr immer den technischen Part des Maibaumstellens übernommen, sagt Kommandant Stefan Briechle. Darunter falle das Fällen, Transportieren, Lagern und Aufstellen. „Wir wären auch in diesem Jahr gerne bereit dazu gewesen.“ Doch andere Vereine hätten das Schnitzen und Gestalten des Baumes sowie die Ausrichtung der Feier übernehmen müssen. Und hier habe schlicht Interesse und Bereitschaft der vielen Neusässer Vereine gefehlt.
Einzig der ACO wäre mit im Boot gewesen – doch letztendlich konnte dieser sich mit der Feuerwehr nicht über die Organisation einigen, berichtet Briechle. Schon vor zwei Jahren – der Baum in Neusäß wurde bislang alle zwei Jahre erneuert – seien städtische Mitarbeiter beim Schnitzen des Baumes eingesprungen. Margit Endres vom Kulturbüro bestätigt das: „Wir haben allerdings den Zeitaufwand unterschätzt. Das konnten wir in diesem Jahr keinesfalls wiederholen.“
Stefan Briechle wünscht sich, dass das Interesse in Neusäß an dieser schönen Tradition zurückkommt und im nächsten Jahr wieder mehrere Vereine gemeinsam eine Maifeier organisieren – vielleicht motiviert durch den Schandbaum der Täfertinger Nachbarn. „Mich hat das schon angestachelt, im nächsten Jahr wieder einen ordentlichen Maibaum aufzustellen“, sagt Briechle. Doch an ihm alleine liegt es ja nicht.
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