Wetter
Mo.
21°C
Wetter
Di.
20°C

06. Februar 2012 12:08 Uhr

Winterwanderung

Geschichte im knietiefen Schnee entdecken

Die „Schneeburg“ bei Welden bot einst Schutz vor den Ungarn

Die Wandergruppe vor dem Wall-Graben-System bei Welden, das den Ringwall in Vor- und Hauptburg teilt.
Foto: privat

Welden Eine Winterwanderung zur „Schneeburg bei Welden“ hatte Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf angeboten. Die Gruppe stapfte durch knietiefen Schnee und erreichte den gut erhaltenen Ringwall „Schneeburg“, der versteckt im Wald hoch über dem malerischen Tal der Laugna liegt. Diese Anlage gehört laut Mahnkopf zu den größten und bedeutendsten Bodendenkmälern im Landkreis Augsburg. „Größe, Form und Funktion verleihen dem Ringwall eine weit über den lokalen Bereich hinausreichende Bedeutung.“

Der Name hat nichts mit Schnee zu tun

ANZEIGE

Die Kreisheimatpflegerin erklärte den geologischen Aufbau des Ringwalls. „Er besteht hier aus mergeligen Sanden, die von Deckenschottern überlagert sind. Diese mächtigen Schotterschichten sind zum Teil verfestigt und stehen hier als Nagelfluh an.“ Davon konnten sich die Wanderer auf dem Weg zur Schneeburg im alten Steinbruch nahe der Ganghofer-Diensthütte selbst überzeugen.

Mahnkopf erklärte, dass der Name des Ringwalles als Flurbezeichnung erstmals im Jahre 1567 auftaucht. Die ausgedehnte Befestigungsanlage wird dort als „Schnaidburg“ bezeichnet, was so viel wie Burg „in der Schnait“ oder auf dem „Schnaitberg“ bedeutet. „Der Name hat also nichts mit Schnee zu tun, sondern bezeichnet einen Grat oder eine Grenze und passt sehr genau zur fortifikatorisch günstigen Lage auf einem Ausläufer des Streitheimer Forstes.“ Drei Seiten der Anlage, Norden, Westen und Süden, werden von steil ins Tal abfallenden Hängen umschlossen.

„Die ovale, zweigeteilte Befestigungsanlage wird von einem auch nach 1000 Jahren noch bis zu fünf Meter tiefen Graben umgürtet. An der Ostseite, die keinen natürlichen Schutz durch steile Hänge besitzt und deshalb besonders gefährdet war, liegen zwei beziehungsweise drei zusätzliche Wälle und ein weiterer Graben“, erklärte die Kreisheimatpflegerin der Wandergruppe.

Sie wies daraufhin, dass ein Doppelwall mit tiefem Graben den Ringwall in eine östliche Vorburg und eine westliche Hauptburg teilt und Wall und Graben einer rechteckigen Vorläuferanlage aus der späten Bronzezeit (1400 bis 1200 vor Christus) überlagert. Reste eines Hanggrabens könnten ein Hinweis sein auf einen ursprünglich kleineren befestigten Herrenhof der Zeit um 800 nach Christus.

Mächtige Gräben und Wälle umgaben den Herrschaftssitz im 9. und 10. Jahrhundert, der als Fliehburg der Bevölkerung Schutz vor den bedrohlichen Einfällen der Ungarn bot. Damals, sagte die Kreisheimatpflegerin, waren überall in Europa Schutzmaßnahmen erforderlich. „Jedoch zeugen die wechselnden Bautechniken an den Holz-Erde-Mauern, der Ausbau mit Steinverblendungen sowie die Teilung der Anlage eher von einer kontinuierlichen, länger dauernden Benutzung bis ins 11. Jahrhundert hinein als nur von einer kurzzeitig wehrhaft gemachten Fliehburg“, fuhr sie fort.

Einen gemütlichen, informativen Abschluss fand die Winterwanderung im Gasthof Hirsch, wo in einem kleinen Museum an den Dichter Ludwig Ganghofer, Ehrenbürger von Welden, und seine Familie erinnert wird.

In der Dauerausstellung „Lebensräume – die Ganghofers im Schwäbischen Holzwinkel“ wird das Leben und Wirken der Familie Ganghofer dokumentiert. (AL)

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Schlagworte

Welden

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung


Neu in den Leserblogs

Adressen für Ihre Gesundheit

Partnersuche