Der erste Prüfungstag: Wir haben uns in Gersthofen und Wertingen umgehört


Gersthofen/Wertingen Punkt neun Uhr gestern Morgen: Der Glücksteddy ist in Position gebracht, das Gehirnfutter, das die Mutter noch mit Liebe eingepackt hat, in Reichweite gelegt und die wichtigsten Vokabeln ein letztes Mal ins Gedächtnis gerufen: Für die G-9-Abiturienten auf den Gymnasien begann gestern die erste Etappe eines mehrwöchigen Prüfungsmarathons.
Am Gymnasium Wertingen füllte sich allmählich um 8.30 Uhr der Wartebereich vor den Prüfungsräumen. Noch wird geschwatzt und gelacht, doch die Anspannung ist spürbar. „Ich bin noch nicht wirklich aufgeregt. Ich hab allerdings ein bisschen Angst davor, nicht gut genug vorbereitet zu sein“, meint einer der Abiturienten, Michael Fischer. „Ich versuche aber zuversichtlich in die Prüfung zu starten.“ Insgesamt 123 Prüflinge mussten gestern zum Auftakt mit dem Grundkursabitur starten. Veronika Giesbrecht ist zwar nervös, doch sie weiß, „jetzt ist es bald vorbei“. Auch ihre Mitschülerin ist sich dessen bewusst. Doch Simone Feller findet es „ein wenig verrückt“, dass das, was sie sich neun Jahre lang erarbeitet hat, in so kurzer Zeit beendet wird. Neun Jahre lang haben die drei Mathematik gelernt, und jetzt haben sie drei Stunden Zeit, um ihr Wissen niederzuschreiben.
Stundenlang wurde in den Turnhallen gerechnet und geschwitzt. Nach der Abgabe der Klausuren bricht die Erleichterung über die Noch-Schüler herein: „Es war gar nicht so schlimm wie ich erwartet habe.“ Rüya Budal, Abiturientin auf dem Paul-Klee-Gymnasium in Gersthofen, ist erst einmal froh. Vier Stunden lang war bei ihr höchste Konzentration angesagt. Die Abiturientin hatte sich für das Fach mit der längsten Prüfungszeit entschieden: Deutsch. „Bei mir kamen fast acht Seiten zusammen“, sagt die Gersthoferin. Klar, dass nach einiger Zeit die Finger schmerzen. Ähnlich ging es auch ihrer Freundin Ramona Sperling. Auch sie hatte sich für dieselbe Disziplin entschieden: „Erste Etappe geschafft“, freut sich sich.
Ihre Generation befindet sich in einer besonderen Situation. Dieses Jahr machen zwei Jahrgänge den Abschluss. Nach der Gymnasialreform und der Verkürzung der Schulzeit auf acht Jahre machen der erste Reformjahrgang G8 und der des alten Systems G9 fast gleichzeitig den Abschluss. Aus Angst, die Schulen und Universitäten zu überlasten, wurde das letzte Halbjahr der G-9-Absolventen verkürzt. Rund sechs Wochen früher absolvieren sie ihre Prüfungen und wurden dazu aufgerufen, ihr Studium gleich im Mai zu beginnen. Dieses Vorgehen sieht Ramona Sperling kritisch: Nach dem Abschluss will sie ihr Managementstudium beginnen, allerdingst erst zum Wintersemester im Oktober. Die Reform hätte besser durchdacht werden müssen, sagt sie. Nur sehr wenige Schüler beginnen gleich im Sommersemester das Studium. So wie Ramona denken viele: „Ich brauche erst einmal eine Pause.“
Medizinstudium in Österreich
Ihre Schulkollegin Carina Wagner will den Start im Mai probieren. Sie bewarb sich mit einem vorläufigen Zeugnis an einer Universität und wurde für Chemie zugelassen. Allerdings nur zur Überbrückung. Bald will sie sich in Österreich für ein Medizinstudium bewerben. In Deutschland reicht ihr Schnitt nicht dafür. Für ihre erste Abi-Prüfung hat sie ein gutes Gefühl: „Ich habe viel geschrieben, einiges davon wird schon richtig sein“, meint Carina Wagner. »Die aktuelle Umfrage S.2
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