Ein HIV-infizierter Mann sitzt in Haft, weil er seinen Stiefsohn missbraucht haben soll. Nun besteht der Verdacht, dass er sich auch an Stieftochter und einem Nachbarsbub verging. Von Jörg Heinzle

Der Verdacht weitet sich aus: Seit Mitte November sitzt ein HIV-infizierter Mann aus dem Kreis Augsburg in Haft, weil er seinen Stiefsohn über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben soll. Nun gehen die Ermittler davon aus, dass er sich auch an der Stieftochter und an einem Nachbarsjungen vergriffen hat. Der 38-Jährige soll von Anfang an gewusst haben, dass er den HI-Virus in sich trägt.
Nach derzeitigem Stand wurde das Virus auf keines der Kinder übertragen. Das HI-Virus kann die unheilbare Immunschwächekrankheit Aids auslösen. Die Kinder sollen sich aber mit Hepatitis angesteckt haben, heißt es. Der Nachbarsjunge – er ist noch im Kindesalter – muss zudem psychiatrisch behandelt werden.
Im Sommer des Jahres 2007 sollen die Übergriffe auf den Stiefsohn begonnen haben, damals war der Junge gerade einmal zwölf Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft listet derzeit rund 20 Fälle auf. Der Stiefvater nutzte angeblich Tage aus, an denen die Mutter des Jungen weiter entfernt in der Nachtschicht arbeiten musste. Die Taten spielten sich demnach meistens zuhause ab – im Elternschlafzimmer des Hauses, in einer Gemeinde im Westen von Augsburg.
Weshalb die Sache erst spät ans Licht kam, ist nicht bekannt. In der Familie lebten auch noch zwei weitere Kinder, ein zehnjähriges und ein 13-jähriges Mädchen. Nun gibt es offenbar Hinweise, dass die Zehnjährige ebenfalls missbraucht wurde. Möglicherweise schon als kleineres Kind.
Zudem soll es dem Mann gelungen sein, auch zum Nachbarsjungen Vertrauen aufzubauen – um ihn offenbar längere Zeit unbemerkt zu missbrauchen. Fotos, die der 38-Jährige gemacht hat, sollen das belegen. Die Ermittler fanden wohl noch weitere Fotos von Kindern, die derzeit ausgewertet werden. Die beiden Rechtsanwälte des 38-Jährigen, Michael Weiss und Johannes Siegmund, hielten sich auf Anfrage unserer Zeitung bedeckt. „Wir können derzeit nichts dazu sagen“, hieß es auf Anfrage.
Als die Sache im November ans Licht kam, wurde auch die Frau des 38-Jährigen verhaftet. Sie geriet damals in Verdacht, vom Missbrauch gewusst, aber nichts unternommen zu haben. Inzwischen ist die Frau aber aus der Untersuchungshaft entlassen worden.
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