Freitag, 20. Oktober 2017

13. Oktober 2017 12:11 Uhr

Kreis Augsburg

Hirblinger Doppelmord: Die Schlinge zieht sich zu für Waldemar N.

Erste Kriminalbeamte aus der Sonderkommission sagen aus. Die Erkenntnisse belasten den Angeklagten schwer. Ein Schlüssel spielt eine Hauptrolle.

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Hat Waldemar N. seine beiden Nachbarinnen ermordet?
Foto: Marcus Merk (Archiv)

Es wird langsam eng für Waldemar N. Am sechsten Tag im Prozess um den Doppelmord an einem lesbischen Paar haben Ermittler der Sonderkommission „Hirblingen“ mit mehreren stark belastenden Indizien aufgewartet. Ein wichtiges Indiz war bislang gar nicht bekannt: Die Polizei fand am 21. Dezember 2016 an der Schmutter, wo die Leichen der beiden Frauen vergraben waren, einen Hausschlüssel von Waldemar N.

Ein Kripobeamter berichtete am Freitagvormittag, dass die Spurensicherung zunächst diesen Schlüssel untersuchte. Dann sei er zum Haus der Familie N. in den Gersthofer Ortsteil Hirblingen gefahren, um den Schlüssel auszuprobieren. Ergebnis: Der Schlüssel passte sowohl an der Haustür als auch an der Tür von Waldemar N.s Einliegerwohnung im ersten Stock. Der 32-Jährige saß zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft. Denn schon bevor die Leichen der Opfer gefunden wurden, war N. unter Verdacht geraten.

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Wickelte Waldemar N. die Leichen in Schlafsäcke?

Das liegt an weiteren starken Indizien, die die Ermittler im Prozess auch bestätigten. Eine wichtige Rolle spielt der Spaten, mit dem der Täter die Leichen vergraben hat. Den Spaten entdeckten Polizeitaucher in der Schmutter. In Waldemar N.s weißem 3er BMW sicherten die Ermittler einen Kaufbeleg aus einem Gersthofer Baumarkt: N. hatte am Abend nach dem Verschwinden der Frauen für 49,90 Euro genau einen solchen Spaten gekauft. Der Schluss liegt nahe, dass es genau dieser war, mit dem das Loch für die Leichen gegraben wurden.

Gleich in der Nähe des Erdgrabs wurden zwei Handsender für die Garagen der Frauen gefunden. Der Angeklagte soll zum Transport der Leichen den Peugeot von Beate N. benutzt haben. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass N. die Frauen in Schlafsäcke eingewickelt und in den Kofferraum des Peugeots gepackt hat. Dort gab es Blutspuren der Opfer. Dass Waldemar N. das Auto der Frauen gefahren hat, steht nach der Spurenlage auch nicht in Zweifel. Auf der Fußmatte des Fahrersitzes dokumentierte die Spurensicherung Teile eines Schuhabdrucks, die zu Schuhen aus Waldemar N.s Wohnzimmer passen. An den Knöcheln der Leichen fand die Kripo DNA-Spuren des Angeklagten.

Laut Anklage hat Waldemar N. seine beiden Nachbarinnen Beate N. und Elke W. am Freitagmorgen, 9. Dezember 2016, nach seiner Nachschicht in deren Wohnung mit drei Dutzend Messerstichen ermordet. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll er die Leichen an der Schmutter vergraben haben. Eine Zeugin sagte am Freitagvormittag, sie habe in dieser Nacht gegen 2 Uhr gesehen, wie ein braunes Auto langsam in Richtung Feldweg fuhr. Beate N.s Peugeot war braun.

Am Wochenende nach der Tat meldete sich N. bei der Arbeit krank

Waldemar N.s Mutter hatte einen Schlüssel zu dem Haus der Nachbarinnen, weil sie sich während deren Urlauben um die Katze kümmerte und Blumen goss. Waldemar N.s Motiv soll Habgier und eine prekäre finanzielle Situation sein. N. soll die Bankkarten der Frauen gestohlen und sich gewaltsam die Geheimnummern besorgt haben. Insgesamt wurden in den Tagen nach der Bluttat gut 5000 Euro von den Konten der Opfer abgehoben. Einen Teil dieses Geldes, da sind sich die Ermittler sicher, haben Beamte in N.s BMW gefunden. Bargeld in Höhe von 1470 Euro lagen in der Mittelkonsole des Autos und unter einer Fußmatte versteckt.

Am Wochenende nach der Tat meldete sich N. bei der Arbeit krank. Am Mittwoch, 14. Dezember, fuhr er nach Prag, checkte dort im Hotel Fusion ein und zahlte bar. Der Aufenthalt ist an der Rezeption dokumentiert, zudem ist N. auf Bildern von Hotelkameras zu sehen. In der tschechischen Hauptstadt soll er ebenfalls Geld von Beate N.s Konto am Automaten gezogen haben. Auch hier gibt es Fotos der Überwachungskamera. Sie zeigen einen Mann mit Anorak und Kapuze. Anhand von Merkmalen an der Kleidung und an den Schuhen schließen die Ermittler, dass dieser Mann Waldemar N. war. Er versuchte erst, 2000 Euro abzuheben. Das Tageslimit erlaubte aber nur noch 400 Euro. Freunde des Angeklagten hatten als Zeugen bereits von einem anderen Prag-Aufenthalt berichtet. Sie waren zum Geburtstags eines Kumpels dorthin gefahren, um „Party zu machen“.

Ein weiteres Indiz, das den Angeklagten schwer belastet: In seiner Wohnung fand die Kripo zwei Messer – sie waren unter einer Decke auf der Couch versteckt. An einem der langen Küchenmesser entdeckten die Spurensicherer DNA beider Opfer am Übergang von der Klinge zum Griff. Am anderen befanden sich DNA-Spuren von Elke W. vorne an der Klinge. Die Messergriffe enthielten DNA des Angeklagten. Die Ermittler gehen daher fest davon aus, dass Waldemar N. bereits mit zwei Messern aus seinem Besitz bewaffnet in die Wohnung der Nachbarinnen kam.

Der Prozess wird am 24. Oktober fortgesetzt.

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Schlagworte

Schmutter | Polizei | Kripo | BMW | Prag

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