Viele Bewohner von Markkleeberg haben den chemischen Geruch noch in der Nase und den Fluss Pleiße mit Schaumkronen bedeckt in Erinnerung. Einst die grüne Lunge Leipzigs, wurde ihre Heimat in der Zeit der DDR zum ökologischen Notstandsgebiet. Den Weg dorthin und wieder heraus zeigt eine Ausstellung im Neusässer Rathaus. Von Regine Kahl

Neusäß Viele Bewohner von Markkleeberg haben den chemischen Geruch noch in der Nase und den Fluss Pleiße mit Schaumkronen bedeckt in Erinnerung. Einst die grüne Lunge Leipzigs, wurde ihre Heimat in der Zeit der DDR zum ökologischen Notstandsgebiet. Den Weg dorthin und wieder heraus zeigt eine Ausstellung im Neusässer Rathaus auf zwölf Schautafeln.
Bürgermeister Hansjörg Durz sprach bei der Eröffnung von der "eindrucksvollen Wandlung von einer Mondlandschaft zur Seenregion". Erst vor wenigen Wochen konnten sich die Stadträte bei einem Besuch in der Partnerstadt anlässlich der Jubiläumsfeiern "20 Jahre friedliche Revolution" von der Entwicklung ein Bild machen.
Konzipiert hat die Ausstellung Michael Wildt, der ein halbes Jahr daran gearbeitet hat. Finanziell gefördert habe das Projekt sowohl die Stadt Markkleeberg als auch die Stiftung für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, sagt der Vertreter der Stadtverwaltung, Ralph von Rauchhaupt.
Die Ausstellung blickt zunächst auf das Jahr 1910, als in Markkleeberg noch üppige Auenwälder standen. 1935 begann der Aufbau der Karbochemie, die Kohle wurde als Grundstoff für die chemische Industrie genutzt. Kohlekombinate und Großtagebau in der DDR ließen die Bewohner den "bitteren Geschmack des Wohlstands" spüren, heißt es in der Ausstellung. Eine Tafel zeigt auf, wie sich der Fluss Pleiße vom Badegewässer zu einer Kloake entwickelte. "Die Flüsse waren biologisch tot," beschreibt Wildt drastisch. Beim Ausstoß von Staub und Schwefeldioxid erreichte der Kreis um Markkleeberg Höchstwerte. Mit der Ausstellung will Wildt auch Tendenzen der nostalgischen Verklärung der DDR entgegentreten.
Immer mehr Umweltgruppen bildeten sich, die für die friedliche Revolution wichtig waren. 1988 fand der erste "Pleißegedenkzug" statt, der noch gewaltsam aufgelöst wurde. Das Motto des Umzugs "Umkehr zum Leben" ist auch die Überschrift der Ausstellung. Das Schicksal des Flusses war laut Wildt symptomatisch für das ganze Gebiet. Viele Teilnehmer der Demos kamen aus Markkleeberg. Wildt: "Die unerträglichen ökologischen Zustände haben die Menschen in die Opposition geführt."
Doch die Ausstellung endet mit guten Nachrichten: Die Region Markkleeberg hat sich nach der Wende zum "Neuseenland" gemausert. In der Pleiße schwimmen wieder Fische, Sinnbild für eine neue Zeit.
Dauer Die Ausstellung ist bis 25. November im Foyer des Rathauses zu sehen.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: