Seit 100 Jahren wird im Gasthof "Zur Traube" in Anhausen Riegele-Bier ausgeschenkt. Grund genug für die Brauerei, ein großes Fest in den urigen Räumen neben dem Augsburger Hauptbahnhof auszurichten. Von Martin Deibl

Eigentlich, so Riegele-Chef Dr. Sebastian Priller in seiner humorvollen Laudatio, hätte man ganz Augsburg und den westlichen Landkreis einladen müssen, denn in der Traube fühle sich jeder wohl, ob Arbeiter oder Prominenz. Die war an diesem Abend unter anderem vertreten durch Landrats-Stellvertreter (und Träger der Riegele-Bierkette) Max Strehle und den Diedorfer Bürgermeister Otto Völk.
Bis 1909 hatte Anton Bader, der Großvater von Margit Aubele, selbst eine Brauerei betrieben und süffiges dunkles Bier gebraut. Als er mit dem Brauen aufhörte, kam Riegele ins Spiel. Priller: "Für uns Gott sei Dank hat er sich für die richtige Brauerei entschieden und 100 Jahre lang die Treue gehalten."
Priller hatte in die Annalen geschaut und blätterte nun die Geschichte der Traube auf. Nach Anton übernahm Karl Bader die Wirtschaft und des Großvaters Tochter, Maria Bader, stand ihm zur Seite, zumal es ja nicht nur die Gaststätte, sondern auch die Landwirtschaft umzutreiben galt. Später übernahm Maria Bader die Gaststätte ganz und heiratete Xaver Reiter. "Für die Anhauser blieb es trotzdem der Baderwirt."
Noch jeden Tag arbeite Maria in der Küche, verriet Priller; und dass sie am 8. April ihren 93. Geburtstag feiert. Da wird bestimmt kräftig gefeiert. Die Geschicke der Traube werden schon lange von den Aubeles gelenkt. Nach Abitur und Banklehre machte Tochter Margit den Wirtinnenbrief; Walter Aubele hatte Rechtswissenschaft studiert und in der Versicherungswirtschaft gearbeitet, ehe er Wirt wurde.
So manchen Schwank wusste Priller zu erzählen, auch von langen Schafkopfnächten in den 60er und 70er Jahren, bei denen Xaver Reiter immer gewann. Landwirtschaft, Brauerei und Gastwirtschaft sind weiterhin eng verbunden - Margits Bruder Franz sorge, dass bestes Rindfleisch auf den Teller kommt.
Regelrecht ins Schwärmen gerät Priller, als er "den wunderschönen Biergarten, Ausgangs- oder Endpunkt für viele Wanderungen ins Anhauser Tal", beschrieb. Da treffen sich Chefärzte, Firmenbosse und Politiker, Naturschützer und Grüne - erkennbar an den Autos und Fahrrädern vor dem Haus.
Anhauser Dunkel
In Erinnerung an den Bräu in der Familie, an Anton Bader, wird wieder das traditionelle Anhauser Dunkel für die Traube gebraut. Wie das schmeckt, davon konnten sich die Gäste überzeugen, nachdem Juniorchef Sebastian Priller, Vize-Weltmeister der Biersommeliers, das Holzfass angestochen hatte. Mit dem Dunkel ließ sich dann prächtig auf das "Hundertjährige" anstoßen, zu dem die "Brauhaus-Musikanten" gekonnt ihren gereimten Senf dazugaben.
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