Aichach Der sensationelle Fund eines frühmittelalterlichen Grubenhauses im Grubet im vergangenen Jahr ist auch heuer für eine Überraschung gut. Die darin gefundenen Holzkohlestücke sind nun ausgewertet. Und sie beweisen, dass im Grubet bereits im siebten Jahrhundert Eisenerz abgebaut wurde. Das bedeutet 250 Jahre früher als bisher angenommen, erläuterte Professor Bernd Päffgen von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gestern: "Wir wissen jetzt, dass dieses Grubenhaus mit Hölzern errichtet wurde, die im Jahr 648 geschlagen wurden." Dank modernster Technik sei diese Datierung so exakt möglich.


Als Päffgen das sagt, steht er zwischen dem Fund des vergangenen Jahres und der neuen Ausgrabungsstelle. "Wir wollten mehr darüber wissen, wie diese Handwerker-Siedlung ausgesehen hat", nennt er den Grund für die weiteren Forschungen. Grabungsleiter Martin Straßburger ist seit 2. August noch bis Anfang September mit fünf Studenten im Einsatz. Sie haben die Überreste von zwei weiteren Grubenhäusern freigelegt. "Und zwar alles in Handarbeit", sagt Straßburger und deutet auf große Baumstümpfe, die sie zuerst herausziehen mussten. Danach folgte die Feinarbeit. Die Archäologie-Studentinnen Anneke Mücke und Katharina-Luise Link sitzen auf kleinen Hockern und reinigen Erzklumpen mit Zahnbürsten. Wolfgang Westphal von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern hilft ihnen, diese zu bewerten.
Bei der ersten Fundstelle haben die Wissenschaftler inzwischen eine Art Haus aufgebaut. Spuren von Pfosten im Boden haben diese Rekonstruktion möglich gemacht, schildert Päffgen. Bei den neuen Grabungen ist hingegen noch mehr Vorstellungskraft gefragt. Straßburger zeigt auf Verfärbungen im Boden. Dort haben die Häuser gestanden. In einem der beiden haben die Archäologen zudem einen Brunnen entdeckt. Derzeit überlegen sie, diesen zu erhalten.
Diese Idee gefällt auch Bürgermeister Klaus Habermann. Es gehe jetzt darum, diese Entdeckungen zu dokumentieren und sichtbar zu machen. Habermann bezeichnet die Arbeit als faszinierend und betont: "Diese Erkenntnisse bringen uns in der Einordnung der Stadtgeschichte weiter."
Für Päffgen sind sie Funde der Beweis, dass "die Bajuwaren im siebten Jahrhundert eine Art Industriegebiet angelegt haben". Arbeiter mussten die Bergbauschächte graben und andere die Rennöfen betreiben, in denen das Eisenerz geschmolzen wurde. Das wiederum erforderte die Herstellung von Holzkohle, also Köhlereien. Schließlich muss es Schmiede und Werkstätten, die Messer herstellten, gegeben haben. So eine "Produktionskette" habe man sich hier vorzustellen, führt Päffgen aus. Der Gedanke, dass damals alle Bauern waren, sei falsch: "Der Eisenerzabbau war die Quelle des frühmittelalterlichen Reichtums von Aichach."
Nach dem Beweis, wie früh dieses "Industriegebiet" entstanden ist, bleiben allerdings noch viele Fragen offen. Etwa wer der Besitzer war und wie lange es genutzt wurde. Päffgen schätzt "höchstens 600 Jahre". Dann verlagerte sich der Abbau und eine "moderne Rekultivierung" zum Wald fand statt.
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