Region Augsburg Die italienische Mafia ist offenbar auch in unserer Region aktiv. Die Polizei hat gestern im Rahmen einer groß angelegten Razzia in Südbayern auch in Augsburg zugeschlagen. Insgesamt wurden 75 Wohnungen und Büros sowie italienische Restaurants, Pizzerien und Cafés durchsucht. Schwerpunkt war Oberbayern mit dem Raum München. Es gab 20 Festnahmen. Das teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord (Ingolstadt) mit. Von Stefan Krog
Die Polizei geht davon aus, einem bandenmäßigen Kokain-Handel durch die kalabresische Mafia auf die Spur gekommen zu sein. Nach dem sechsfachen Mafia-Mord in Duisburg im Jahr 2007, der bundesweit Aufsehen erregte, nahmen die Ermittler in Oberbayern verstärkt Personen aufs Korn, die ihrer Meinung nach Mitglieder des Ndrangheta-Clans waren. Der Organisation mit ihren teils rivalisierenden Clans wurden allein zwischen 2000 und 2004 140 Morde zugeordnet.
Im Laufe der von Ingolstadt aus geführten Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht, dass regelmäßig mehrere Kilogramm Kokain von Italien nach Bayern gebracht wurden. Die Drogen sollen anschließend an Großabnehmer, überwiegend Gastronomen, verteilt worden sein. Von dort nahmen die Drogen laut Ermittlungen ihren Weg an die Käufer.
Augsburg scheint dabei eher ein Nebenkriegsschauplatz zu sein. Laut Polizei war vor allem Oberbayern betroffen. Auch die Razzia gestern konzentrierte sich auf den Raum München und die umliegenden Städte Erding und Fürstenfeldbruck. Zu Details äußerte sich die Polizei gestern nicht, um ihre Ermittlungen nicht zu gefährden.
Ermittlungen in Italien
Bei der Durchsuchungsaktion gestern wurden laut Polizei neben größeren Mengen Bargeld auch Kokain und Munition sichergestellt. Auch Handys und Computer, mit denen die Verdächtigen ihre Aktionen koordiniert haben sollen, wurden laut Polizei beschlagnahmt. Konkrete Beschuldigte sind 18 Personen zwischen 22 und 54 Jahren. Laut Polizei handelte es sich bis auf eine 28-jährige Frau nur um Männer. Zum Großteil sind es italienische Staatsbürger. In Italien führen die Behörden parallel zu den Ermittlungen in Bayern ein Verfahren gegen die dortigen Hauptbeschuldigten.
In Schwaben war zuletzt im Jahr 2008 ein Fall bekannt geworden. Damals nahm die Polizei nach dreijähriger Ermittlungsarbeit eine Pizzeria in Sonthofen (Oberallgäu) hoch. Das Lokal galt als Stützpunkt für Kokainhandel. In den 90er Jahren machte die Festnahme eines mutmaßlichen Mafia-Killers in Kempten Schlagzeilen, der dort Geld eintreiben sollte.
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