Stockschützen jeden Alters kämpfen beim Hobby-Turnier in Adelsried



Adelsried Beherzt greift Sebastian Schaller nach seinem Stock. Nach einem konzentrierten Blick zur Daube wirft der 16-Jährige den Stock auf die Rutschbahn. Und er hat Glück. Haargenau trifft er sein Ziel und sammelt damit viele Punkte für seine Mannschaft.
Für die Stockschützen gilt es, mit ihrem sogenannten Stock möglichst nahe an die Daube zu schießen, eine Gummischeibe, die zu Beginn jeder Kehre auf dem Mittelkreuz liegt. Sebastian Schaller kennt die Regeln gut. Er spielt beim Hobby-Stockschützenturnier in Adelsried für die Jugendgruppe. Mit zehn anderen begeisterten Jugendlichen trotzt der 16-Jährige dem geläufigen Klischee, dass Stockschießen nur ein Sport für ältere Jahrgänge wäre.
Mit Übung kann jeder die Stoßtechnik lernen
Auch der Trainer der Jugendlichen, Oliver Rieger, betont, dass es in jeder Generation Stockschützen gäbe. „Der jüngste Sportler ist gerade einmal 13 Jahre, während der älteste gerade seinen 79. Geburtstag gefeiert hat“, erzählt er. Menschen jeden Alters und Geschlechts wissen die Vorzüge des Wintersports zu schätzen. „Stockschießen ist ein Mannschaftssport mit starkem Gemeinschaftsgefühl. Konzentration ist gefordert, aber es ist auch wichtig, zu lernen, seine Kräfte genau zu dosieren“, erklärt der Jugendtrainer, der Stock sei dabei wie eine Verlängerung des Armes. Dabei erinnere die Technik an Kegeln oder Boccia und sei leicht zu lernen. Das wissen auch andere Stockschützen wie Fabienne Huber. Die 14-Jährige ist nun seit fast zwei Monaten Stockschützin und weiß, dass anfängliche Schwierigkeiten schnell überwunden werden können. „Sportlicher Ehrgeiz, Spaß am Stockschießen und viel Übung helfen dabei, die Technik zu lernen“, schildert sie. Mit zehn anderen Jugendlichen gründete sie eine Mannschaft für junge Stockschützen. Dank großen Trainingseinsatzes ist der Nachwuchs sehr erfolgreich und malt sich beim Stockschützenturnier Chancen auf den Sieg aus.
Die Stimmung unter den Mannschaften auf der Spielfläche ist trotz frostiger Temperaturen gut. Schiedsrichter messen die Abstände der bunten Stöcke zur Daube auf dem asphaltierten Feld. „Jeder Millimeter zählt“, verrät Rudolf Ohnesorg. Er gehört zum alten Eisen. Seit Jahrzehnten stößt er Stöcke und beobachtet das Turnier kritisch. „Die Bahn ist schlecht, die ist zu viel bespielt“, klagt der 79-Jährige, wenn andere Spieler mit ihrem Stock die Daube weit verfehlen.
Zu verdanken haben die Stockschützen das Turnier Georg Reitmayer, Abteilungsleiter der Adelsrieder Stockschützen, der das Turnier initiierte und mitorganisierte. „Es ist ein sportliches Hobby an der frischen Luft, das uns Stockschützen körperlich fit hält“, sagt er. Und betont, das Spiel hat Tradition: Ursprünglich kam es wohl aus Skandinavien. Aber in Holland war die Sportart bereits im 16. Jahrhundert verbreitet. Heute ist das Stockschießen bei der Winterolympiade vertreten und erfreut sich großer Beliebtheit. Dennoch hat Jugendleiter Oliver Rieger Bedenken: „Uns fehlt der Nachwuchs.“ Aber mit der Jugendgruppe kämpft er für den Erhalt seiner Sportart. Diesmal hat es nur für den 5. Platz gereicht. Gewonnen hat die Gruppe „Rama secco“ aus Adelsried.
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