"Rudelgucken" auf dem Dorfplatz in Leitershofen, einem angenehm beschaulichen Ortsteil der jungen Stadt Stadtbergen. Die Vorbereitungen sind getroffen, um den "Klassiker" (Franz Beckenbauer) zu verfolgen. "Das war heute eine große Herausforderung", sagt Michael Smischek, dessen Junge Union zusammen mit der freiwilligen Feuerwehr alle deutschen Spiele überträgt. Von Martin Deibl


Leitershofen/Landkreis Augsburg "Rudelgucken" auf dem Dorfplatz in Leitershofen, einem angenehm beschaulichen Ortsteil der jungen Stadt Stadtbergen. Die Vorbereitungen sind getroffen, um den "Klassiker" (Franz Beckenbauer) zu verfolgen. "Das war heute eine große Herausforderung", sagt Michael Smischek, dessen Junge Union zusammen mit der freiwilligen Feuerwehr alle deutschen Spiele überträgt.
Herausforderung (nicht weil es gegen England geht), sondern weil am Nachmittag der schöne Dorfplatz in hellstes Sonnenlicht getaucht ist, wenn nicht zufällig mal Petrus eine Wolke wie eine Markise gnädig vorschiebt. Also mussten viele der insgesamt 40 freiwilligen Helfer, erkennbar an den Trikots mit der Aufschrift "Fußballfieber auf dem Dorfplatz", noch eine Art "Dunkelkammer" bauen, zudem einen zweiten starken Beamer installieren.
Das irritiert anfangs, denn es scheint, als wären im Stadion von Mangaung die Linien doppelt gezogen worden. Das hat auch seine Vorteile: Deutsche Doppelpässe funktionieren an diesem Nachmittag besonders gut.
Jetzt sind wir aber schon mitten im Spiel, das Hunderte von Menschen erwartungsfroh verfolgen. Leitershofen-Mitte ist ausgebucht. Eine Mutter kämpft noch das Blickfeld für die Familie frei, mit Erfolg. Schwarz-Rot-Gold in allen Variationen. Vuvuzelas sind nicht verboten.
"Gewinnen heute die Roten?"
Klose trifft zum 1:0, da hält es niemand auf seiner Bierbank. Noch stimmt der Tipp meines Nebenmannes Markus (2:1 für Deutschland), der aus Königsbrunn angereist ist und von dem Public Viewing weiß, weil er im nahen Pfersee arbeitet. Podolski (so steht's zumindest auf dem Trikot) holt sich noch schnell ein Bier, ist aber rechtzeitig zurück, um das 2:0 zu schießen. Der Eismann von nebenan knipst ein Handy-Jubelfoto und wird das vielleicht in seine Heimat nach Italien schicken, auf dass der Schmerz des ausgeschiedenen Weltmeisters nicht nachlässt.
Dann das 2:1 und das 2:2. Denkste. Das Mädchen vor mir fragt ihren Papa: "Warum hat der Schiedsrichter das nicht gegeben?" Die Antwort geht im erleichternden Gelächter der Fans unter, als die Zeitlupe beweist, dass es kein Wembley-Tor war.
Beifall begleitet die Kicker in die Kabine und die kleinen Fans zu den Eis- und die großen zu den Bierverkäufern. Dort steht auch Selina in ihrem englischen Fußballtrikot an. Das ist außergewöhnlich: "Ich bin halb Britin, mein Papa ist Brite", verrät sie, hofft auf 3:2 für England.
Mit einem kühlen Bier in der Hand hofft Paulus Metz, Stadtbergens zweiter Bürgermeister, auf ein 3:1, "natürlich für Deutschland" - andersrum hätte uns das auch in den Wahnsinn getrieben. "Gewinnen heute die Roten?", fragen wir Roland Mair. Er ist Kreisvorsitzender der SPD, doch heute hat er mit Rot nichts am Hut. "Nein, Deutschland gewinnt im Elfmeterschießen."
Knapp vorbei ist auch daneben. Das gilt auch für Martina aus Aystetten, die eine große Deutschlandfahne schwenkt. Die hat sie von Julian, der sie wiederum aus dem Internet hat.
Weitere Erklärungen beendet der Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Deutschland schwächelt. Dann trifft Müller (Thomas). 3:1. Der Leitershofer Dorfplatz explodiert, auch, weil den Fans ein Stein vom Herzen fällt. Kollektives Aufatmen, Ballack darf getrost die Toilette aufsuchen. Versäumt dadurch aber das 4:1, sieht es erst in der Wiederholung und wie sich wildfremde Leute abklatschen.
Schlusspfiff. Der ultimative Kommentar kommt von "Jogis Cotrainer" Alexander: "Ein saugeiles Spiel."
Bei uns im Internet Bilder vom Public Viewing in Leitershofen unter
augsburger-allgemeine-land.de
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: