In Dinkelscherben wird der Gottesdienst via Internet für kranke und alte Menschen übertragen. Rund 30 Gläubige nutzen bisher regelmäßig dieses ungewöhnliche Angebot.

Während die Gläubigen bei der Auferstehungsfeier am Ostersonntagmorgen in Dinkelscherben der Predigt lauschen, wird Georg Eberhardt in seinem Wohnzimmer vor dem Computerbildschirm sitzen und die Messe via Internet verfolgen. Selbst in die Kirche gehen kann der 82-Jährige nicht mehr. Und so betet er regelmäßig vor dem Laptop mit – wie die Katholiken in der Kirche.
Mit diesem Projekt nimmt die Pfarrgemeinde aus der Reischenau in Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Denn bisher ist Dinkelscherben neben dem Erzbistum Köln eine der wenigen katholischen Pfarrgemeinden in Deutschland, die ihre Gottesdienste online überträgt. So können Christen, die krankheits- oder altersbedingt keine Möglichkeit mehr haben, in die Kirche zu gehen, ihren Glauben leben.
Die Idee zum Projekt hatte Pfarrgemeinderatsmitglied Georg Albrecht aus Dinkelscherben. „Als meine Mutter erkrankte und nicht mehr in die Kirche gehen konnte, wurde mir klar, wie viele Gläubige auf diese Art vom Kirchenleben ausgeschlossen werden“, erinnert sich Albrecht. Und so initiierte er im Pfarrgemeinderat das Projekt.
Auch Pfarrer Herbert Gugler war schnell von dem Konzept überzeugt. „Seit Langem nutzen wir in unserer Gemeinde die neuen Medien intensiv für unsere Kirche“, schildert Pfarrer Gugler. Die Online-Übertragungen sollen ermöglichen, dass kranke, behinderte und alte Menschen am Kirchenleben in der heimischen Gemeinde weiterhin teilhaben können. „Auf diesem Weg wollen wir alle Gläubigen erreichen und jeden am Kirchenleben in der Heimat teilhaben lassen“, so der Pfarrer der Gemeinde Dinkelscherben.
Die Idee scheint Anklang zu finden. Nachdem das Mikrofon und die Kamera unauffällig an der Kirchendecke der St. Simpert Kirche installiert und mit dem Internetanschluss des anliegenden Pfarrzentrums verbunden wurden, ging die Messe online. Seither hat sich ein fester Zuschauerstamm gebildet: Durchschnittlich 30 Gläubige verfolgen die Messe am Samstagabend oder Sonntagmorgen regelmäßig via Internet. Besondere Höhepunkte im Pfarrgemeindeleben wie der Gottesdienst zur Fußballweltmeisterschaft der Frauen oder die Messe für die Schäfflertänzer im Januar zogen weit mehr Zuschauer vor die Bildschirme.
Georg Eberhardt ist einer der Nutzer dieses Angebots. Regelmäßig muss der 82-Jährige zur Dialyse ins Krankenhaus. Seine Mobilität ist stark eingeschränkt. Aber am Kirchenleben teilhaben möchte er dennoch. „Im Fernsehen wird nur der Gottesdienst aus großen Städten wie Berlin übertragen“, berichtet Georg Eberhardt. Doch die Kirche vor Ort sei einem eben doch vertrauter. Und so verfolgt er die Messe am Bildschirm, das Gesangsbuch immer griffbereit neben dem Notebook. Doch das kann er kaum nutzen. Denn die Titel der Lieder, die in der Messe gesungen werden, sind in der Übertragung nicht zu sehen, da die Nummern aus dem Gesangsbuch zwar auf eine Wand projiziert werden – die Kamera jedoch nur auf den Altar gerichtet ist. Und so muss Georg Eberhardt bisher meistens auf das Mitsingen verzichten.
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