Burtenbach/Gersthofen Um 0.30 Uhr war es geschafft: Altgesellschafter, die Kögel-Geschäftsführung und Investor Ulrich Humbaur haben sich in der Nacht zum Montag geeinigt. Der europaweit renommierte Trailerhersteller bleibt in Burtenbach. Das gab Kögel-Sprecher Andreas Lubitz gestern Abend bekannt. "Die Vereinbarung sieht vor, dass die Altgesellschafter eine Minderheitsbeteiligung an der Kögel Trailer GmbH & Co. KG eingehen, die zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls ausgebaut werden kann. Die unternehmerische Führung wird weiterhin Humbaur als Mehrheitsgesellschafter verantworten", heißt es in einer Mitteilung, die Hieronymus Graf Wolff Metternich gegen 18.30 Uhr verbreiten ließ. Von Georg Schalk

Graf Metternich betont darin, dass die Altgesellschafter stets eine Lösung verfolgt hätten, die auch Rücksicht auf die Mitarbeiter vor Ort nimmt. Die Beschäftigung der Mitarbeiter sei ein wesentlicher Grund für eine Einigung mit Humbaur gewesen, da eine bestehende Alternative mit einem potenziellen ausländischen Partner eventuell nicht den Interessen aller Mitarbeiter vor Ort Rechnung getragen hätte. "Durch die Vereinbarung mit den Altgesellschaftern erhält Humbaur nun die Möglichkeit, den Standort Burtenbach vom Immobilieneigentümer Fortis innerhalb der nächsten acht Wochen zu einem angemessenen und heute bereits feststehenden Preis zu erwerben", heißt es in der Mitteilung weiter.
Der Betriebsrat erfuhr von der Einigung gestern früh um 8 Uhr. Am Nachmittag informierte Ulrich Humbaur die Beschäftigten in einer eilig einberufenen Veranstaltung im Werk Burtenbach. 20 Minuten habe die Ansprache gedauert, berichtete Betriebsratsvorsitzender Leo Berger. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - etwa 250 waren anwesend - haben die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen." Humbaur habe gesagt, dass er auf die Beschäftigten baue. Sie seien hoch qualifiziert. Außerdem befinde sich in Burtenbach die von der Qualität her "beste Trailermarke in Europa", zitierte Berger Humbaur.
"Das wird der Marke einen gewaltigen Schub geben"
Die jüngsten Querelen zwischen Altgesellschaftern und Investor um den Standort habe der Marke Kögel nicht gut getan, meinte der Betriebsratsvorsitzende. "Umso mehr war diese Einigung gut. Sie wird der Marke einen gewaltigen Schub geben", so Berger. Der Markt wisse jetzt, dass es Kögel in Burtenbach weiter gibt. "Unsere Kunden haben darauf gewartet." Nun erhofft sich der Betriebsrat im Sinne der Belegschaft und der Geschäftsführung weitere Aufträge - "dann kann man weitersehen", so Berger. Der Betriebsrat räumt ein, dass er die genauen Verträge nicht kenne und auch keine Inhalte wisse. "Es ist toll, dass es so eine Nachricht gibt", sagte Günter Frey, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Neu-Ulm/Günzburg. Gleich am Montag sei entschieden worden, dass die Mahnwachen aufgehoben werden. "Wir gehen davon aus, dass es am Mittwoch oder Donnerstag eine weitere Betriebsversammlung gibt", so Frey.
Burtenbachs Bürgermeister Roland Kempfle reagierte auf die Nachricht sehr erleichtert. "Mir fällt ein Riesen-Stein vom Herzen. Man hat ja schon nicht mehr daran geglaubt. Es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn es anders gekommen wäre", sagte Kempfle gestern Nachmittag. Der Bürgermeister freut sich nach eigener Aussage insbesondere für alle Leute, die in jüngster Zeit Zukunftsängste hatten. "Viele Mitarbeiter und ihre Angehörigen, mit denen ich gesprochen habe, waren deprimiert. Heute sind sie happy", so Kempfle. Die gute Nachricht passe zum strahlenden Sonnenschein am gestrigen Montag. "Für unsere Gemeinde ist es eine Riesen-Erleichterung."
Der Freude schloss sich Landrat Hubert Hafner grundsätzlich an, als er von der Einigung durch einen Anruf unserer Zeitung erfuhr. Er kenne allerdings die Rahmenbedingungen nicht. "Eine gebremste Freude ist auf jeden Fall da. Diese Bremse lockere ich, sobald ich weiß, wie die Einigung konkret aussieht", äußerte sich der Landrat vorsichtig.
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