Samstag, 18. November 2017

14. November 2017 13:17 Uhr

Dinkelscherben

Kritik an Kalbs „Kahlschlag-Politik“

Die Gartenbauvereine von Dinkelscherben sind unzufrieden, wie viele alte Bäume gerodet werden. Sie fordern einen „Grünen Tisch“, bei dem Experten mitsprechen können.

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In Dinkelscherben entscheidet bisher der Bürgermeister, welche gemeindlichen Bäume gefällt werden. Das gefällt nicht allen. (Symbolbild)
Foto: Alexander Kaya

Da war zum Beispiel die große Linde vor der alten Schule in Anried. „Stattlich und völlig gesund“ war der Baum, sagt Wolfgang Kraus, der Vorsitzende des Gartenbauvereins Anried und Umgebung. Trotzdem musste die Linde weichen. Sie sei zu nah am Gebäude gestanden und hätte die Sicht auf das neue Gebäude verdeckt: Das hat Kraus als Begründung von der Gemeinde bekommen. „Wir haben als Verein den Garten an der alten Schule gepflegt. Aber als es um die Fällung der Linde ging, wurden wir nicht gefragt“, sagt Kraus. „Wir hätten auch sicher nicht zugestimmt.“

Wolfgang Kraus kann noch mehr Fälle nennen, bei denen aus seiner Sicht Bäume unbegründet gefällt wurden, am Brunnen bei Oberschöneberg zum Beispiel. Die drei Gartenbauvereine aus Anried, Dinkelscherben und Oberschöneberg haben deshalb nun einen Antrag an den Marktrat gestellt: Sie fordern, dass der „Grüne Tisch“ wieder eingeführt wird, an dem Experten mitsprechen, wenn es um Bäume geht. Die Vereinsmitglieder sehen „mit Sorge, dass in letzter Zeit viele alte Bäume auf gemeindlichem Grund gerodet wurden“, heißt es in dem Schreiben. Die Rede ist vom „Kahlschlag“, dazu gebe es zu wenig Ersatzpflanzungen.

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Den Grünen Tisch gab es schon einmal im der vergangenen Gemeinderatsperiode unter Bürgermeister Peter Baumeister. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig und sahen sich vor Ort „Problemfälle“ an: zum Beispiel Bäume, über die sich die Nachbarn ärgerten. „Das war eine gute Einrichtung“, sagt Gemeinderat Hans Marz (SPD). Der Landschaftsplaner war damals als Experte mit dabei. Das Bauamt habe die Anfragen zusammengefasst, die der Kreis dann beraten habe. Meist habe man eine einvernehmliche Lösung gefunden, die dann dem Antragsteller mitgeteilt wurde. „Das Bauamt hatte Ruhe und der Bürger hat sich auch ernst genommen gefühlt.“

Nach dem Amtsantritt von Edgar Kalb (UW 14) ist der Grüne Tisch bald eingeschlafen. „Ich habe es als sinnlos gesehen, dass neun Leute durch Dinkelscherben ziehen und irgendwelche Bäume anschauen“, sagte der Bürgermeister in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Überhaupt habe der Grüne Tisch „nie eine rechtliche Grundlage“ gehabt: Die Verantwortung für die Verkehrssicherheit des gemeindlichen Baumbestands liege nämlich in der Zuständigkeit des Bürgermeisters. „Und der, der die Verantwortung trägt, muss auch die Entscheidungen treffen.“ Der Antrag der Gartenbauvereine sei deshalb an die falsche Stelle adressiert: Die Zuständigkeit liege nicht beim Gemeinderat, sondern beim Bürgermeister. Der ließ in der Sitzung durchblicken, dass die Vereine mit ihrem Anliegen kaum Chancen bei ihm haben: „Ich sehe keine Veranlassung dafür. Ich hole mir meine Experten von Fall zu Fall.“ Wenn der Gemeinderat wolle, dass die Zuständigkeiten geändert werden, dann müsse eine Fraktion beantragen, die Geschäftsordnung zu ändern.

Die SPD-Fraktion sprach sich in der Sitzung am deutlichsten für den Grünen Tisch aus. Annette Luckner betonte, dass es in der Runde nur selten um kranke Bäume und die Sicherheit gegangen war, sondern häufiger um Hecken oder Bäume, die weg sollten, weil sie jemanden störten.

Wie geht es nun weiter? Hans Marz sagt auf Anfrage: Man wolle die Sache erst mal kurz sacken lassen und dann mit allen Beteiligten beraten. Ein neuer Antrag sei eine Möglichkeit. Marz weist aber auch darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren schon mehrere Anträge zum Thema Grünpflege gab, die allerdings nichts verbessert hätten. Die Aktiven der Gartenbauvereine, von denen viele als Zuschauer in der Sitzung waren, sind indes enttäuscht über das Ergebnis. „Unser Bürgermeister kommt halt aus der Industrie. Da heißt es: Der Ober schafft an“, sagt Wolfgang Kraus. Die Natur habe eben nur selten Priorität. Arthur Ferber, der Vorsitzende des Gartenbauvereins Dinkelscherben, sagt, er sei erstaunt, dass der Antrag „ohne große Diskussion so abgeschmettert“ wurde: „Im Wahlkampf hieß es doch immer: Wir wollen, dass der Bürger mitredet. Und jetzt geschieht genau das Gegenteil.“ Die nächste Baumfällung steht übrigens schon an: In Anried soll am Donnerstag, 16. November, eine Eiche gefällt werden, hieß es in der Sitzung. Eine Familie, deren Kinder eine schwere Krankheit haben, hatte den Antrag gestellt. Sie hat Angst, dass der Eichenprozessionsspinner ihnen schadet.

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Ein Artikel von
Manuela Bauer

Augsburger Allgemeine Land
Ressort: Lokalnachrichten


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