Selbstmitleid und Illusionen helfen den Landwirten nicht weiter. Stattdessen sind Zusammenarbeit, Realismus, Offenheit und klare Analysen gefragt. So lautete der Tenor bei der Frühjahrsversammlung der Augsburger Ortsobmänner. Mit Köpfchen, Teamgeist und Netzwerken kann der Weg zur sicheren betrieblichen Zukunft beschritten werden.
In dieselbe Richtung zielte Kreisobmann Gerhard Ringler, als er seine Berufskollegen dazu aufrief, sich mit der Realität auseinanderzusetzen und sich nicht der träumerischen Hoffnung auf staatliche Hilfen hinzugeben. Die Kostensenkung eines Unternehmens sei genauso wichtig wie dessen Einnahmen. So öffneten sich den Landwirten Handlungs- und Entscheidungsspielräume.
Für Betriebe am Scheideweg gebe es zwei Möglichkeiten: aufhören oder mitmachen. Sozial verträgliche Arbeitszeiten und die Offenheit für Lohnarbeitskräfte seien Zielwerte, auf die es ankomme. Betriebe seien nur dann wettbewerbsfähig, wenn Umfang und Effizienz ihrer Produktion ausreichten. Nur ein Gewinn von circa 80 000 Euro jährlich könne das garantieren.
Für Pfadler gibt es nur einen Weg, den technischen Fortschritt erfolgreich zu nutzen: eine bessere Auslastung der Maschinen. Für Ackerbaubetriebe mit einer Fläche von 20 bis 80 Hektar empfahl Pfadler Bewirtschaftungsverträge mit Partnern.
Doch auch die menschliche Arbeitskraft sei gefragt. Betriebe könnten in arbeitsarmen Zeiten etwa einen Zuerwerb aufnehmen, Arbeitskräfte aus Partnerbetrieben nutzen oder zum Flächentausch greifen. Für kleinere Milchviehbetriebe wiederum sei es eine Überlegung wert, die Feldarbeit und die Jungviehaufzucht auszulagern und einen Gemeinschaftsstall zu betreiben.
320 Euro pro Hektar gespart
In der Ulsenheimer Gruppe etwa haben sich neun Betriebe mit einer Fläche von insgesamt 700 Hektar zusammengeschlossen, dadurch 2,1 Millionen Euro Maschinenkapital freigesetzt und eine Kosteneinsparung von 320 Euro pro Hektar pro Jahr bewirkt. Über die freigesetzten Arbeitszeiten und Gelder konnten die Ulsenheimer mehrere Tausend Schweinemastplätze einrichten. Doch anstatt ihre Zukunft in die Hand zu nehmen, mache sich bei vielen Landwirten Hilflosigkeit breit. Um ihnen zu helfen, sei es wichtig, die Landwirte zu qualifizieren und zu motivieren. Es müsse klar sein, dass ein auf sich allein gestellter Betrieb, der zu teuer produziert, nicht richtig wachsen und somit auf Dauer nicht bestehen kann.
Die einzige Chance, aus dieser Situation herauszufinden, sei laut Pfadler eine Wirtschaftsgemeinschaft auf der Ebene des Dorfes oder der engeren Region. "Deshalb brauchen wir die Solidarität unter den Bauern in den Dörfern." Die Landwirte müssten sich an einen Tisch setzen und ihre Zukunft selbst gemeinsam entwickeln. "Dieser Prozess ist ohne Bauernverband nicht vorstellbar." (SZ)
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