Klöster waren in alten Tagen oftmals Orte, in welchen die Heilkunst ihre besten Vertreter hatte. Mit seinem Kräutersommer erinnert das Schwäbische Volkskundemuseum an die alte Tradition des Anbaus heilsamer oder nahrhafter Pflanzen durch Nonnen oder Klosterbrüder. Von Gerald Lindner Von Gerald Lindner



Oberschönenfeld Klöster waren in alten Tagen oftmals Orte, in welchen die Heilkunst ihre besten Vertreter hatte. Mit seinem Kräutersommer erinnert das Schwäbische Volkskundemuseum an die alte Tradition des Anbaus heilsamer oder nahrhafter Pflanzen durch Nonnen oder Klosterbrüder.
Mit Barbara Linhart aus dem Museumspädagogikteam unternehmen neun Kinder zum Abschluss des Kräutersommers eine kleine Erlebnisreise in die Vergangenheit. Im Museumsgärtlein erklärt die Pädagogin den Kindern zunächst Allgemeines über die Kräuter, deren Namen auch auf Schildern zu erkennen sind. Doch manche unter den Kindern sind schon richtige kleine Experten und haben Erfahrung mit Heilpflanzen. "Ich hab schon mal mit Vaseline eine Salbe hergestellt", erzählt beispielsweise Maria Birle aus Dinkelscherben-Breitenbronn.
Eifrig pflücken die Kinder Ringelblumen. Mit diesen soll eine Salbe frisch hergestellt werden. Dann geht's zur Remise, wo Barbara Linhart schon in einem Topf die Grundmasse für eine Creme vorbereitet hat. "Die habe ich aus Schweineschmalz bereitet." Tierfett und -talg habe man auch in alten Klosterapotheken verwendet. "Wir nehmen nur noch etwas hinzu, was die Heilkundigen nicht hatten - Kokosfett."
Während in dem Topf die Grundmasse aufgekocht wird, schneiden die Kinder die Ringelbumen klein und entfernen die Blütenstängel. Ramona Scheidel, Maria Birle und Anna Gaßner sind schnell damit fertig.
Inzwischen zeigt die Pädagogin den Kindern in Bildbänden Fotos alter Klosterbücher mit ihren prächtigen Schriften und Illustrationen. "Die Schreibkunst war früher eine große Kunst, die Mönche waren in der Lage, die Rezepte für ihre medizinischen Tinkturen und Salben aufzuschreiben", erklärt Barbara Linhart. "Die haben aber kein Papier, sondern Pergament verwendet", weiß Valentin Steinbauer aus Coburg, der ein paar Tage zu Gast bei Verwandten in Gessertshausen ist. Der Bub studiert auch eingehend die Federkiele, Griffel, Holzstäbe und anderen Schreibutensilien aus der Klosterzeit, die in einem Holzkasten mit vielen Fächern schon bereitliegen. "Denn die fertige Salbe könnt ihr dann in ein Apothekerfläschchen abfüllen, und jeder von euch kann dann mit diesen Stiften das Etikett schön gestalten - wie in der Klosterapotheke auch", so Barbara Linhart.
Inzwischen blubbert das Fett im Topf. Vorsichtig, damit es nicht spritzt, füllt Paul Langer aus Horgau-Bieselbach die gehackten Ringelblumen ein. Diese werden danach eingerührt und eine Weile in dem "Salbenfonds" mitgekocht. Da das Schweinefett in der Hitze einen ziemlich strengen Geruch entfaltet, geht Valentin noch einmal ins Kräutergärtchen und pflückt Zitronenmelisse. Die soll - mitgekocht - für besseren Duft sorgen.
Stolz nehmen die Kinder am Ende die Salbe in kleinen Fläschchen mit. »Tagesgespräch
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