Fischer setzen die Tiere wieder in den Rothsee, wo gerade der Schlammbagger zugange ist.

Behutsam hebt der Fischer den grauen Kescher aus dem Transportbehälter. Darin zappelt ein großer Spiegelkarpfen. Vorsichtig senkt der Fischer das Tier ins Wasser und der Karpfen schwimmt davon. Nach der Umsiedlung der Rothsee-Fische im Herbst brachten die Zusmarshauser Fischer sie nun zurück in ihre alte Heimat.
Am Samstagmorgen ging es für die Mannschaft von Fischereivorstand Peter Baldauf los. Die eine Hälfte des Fischbestands hat den Winter in Steinekirch verbracht, die andere in Langenneufnach.
Zunächst werden die Tiere dann gewogen und gezählt, bevor sie zurück in ihren Heimatsee gesetzt werden. Über 3000 Fische hat der Fischereiverein in den See eingebracht, darunter Karpfen, Zander, Rotaugen und Schleien. Dabei seien ungefähr genauso viele Tiere wieder eingesetzt worden wie entnommen wurden, berichtet Baldauf. Auf ungewohnte Gesellschaft stoßen die Fische dabei im vorderen Abschnitt des Rothsees. Dort werkelt nämlich seit Mitte März der 24 Tonnen schwere Schwimmbagger, der nicht nur unter der Wasseroberfläche für Wirbel sorgt.
Nachdem sich das Sanierungskonzept als unpassend erwiesen hatte, mussten 200000 Euro aufgewendet werden, um den Rothsee doch noch zeitnah vom Schlamm zu befreien. Ein ungewöhnlich eisiger Winter und ein defektes Teil des Schwimmbaggers hatten für weitere Verzögerungen gesorgt.
Für die Fische stellt das aktuelle Konzept der Nassentschlammung jedoch kein Problem dar. Ironie an der Geschichte: Sie hätten eigentlich von Anfang an im See verbleiben können, da das Wasser ja doch nicht abgelassen werden musste. „Aber so ist das eben: Hinterher ist man immer schlauer als vorher“, bemerkt Peter Baldauf.
Obwohl die Änderung des Sanierungskonzepts für die Gemeinde finanziell schmerzvoll ist, hat sie auch ihre guten Seite. Durch das im See verbleibende Wasser würden beispielsweise die Uferbereiche geschont. Dort sind um diese Jahreszeit immer die Frösche und Kröten mit Ablaichen beschäftigt.
Und auch der Schwimmbagger stört die Tierwelt des Sees nicht. Die Fische etwa hätten kein Problem mit dem etwa fünf Meter breiten Saugrüssel, der den Schlamm vom Grund des Sees aufsaugt, bestätigt Baldauf. „Die Tiere registrieren das Aufwirbeln des Schlamms und schwimmen dann eben weg“, erklärt Diplom-Biologin Dr. Susanne Hippeli. Außerdem würde der Bagger ja nur im vorderen Abschnitt des Sees zugange sein. Bei einer Wasserfläche von insgesamt 11,5 Hektar bleibt also noch genug Platz zum Schwimmen. Die Fische scheinen sich über den neuen Auslauf im Vergleich zum beengten Winterquartier zu freuen. „Jedenfalls sind alle sehr freudig davongeschwommen“, erzählt Baldauf. Da stört dann auch der neue Nachbar aus Stahl nicht weiter.
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