Sonntag, 26. Mai 2013

17. April 2012 13:00 Uhr

Neusäß

Politiker für einen Tag

Rund 40 Zehntklässler der Realschule Neusäß schlüpfen für einen Tag in die Rolle der bayerischen Landtagsabgeordneten und üben sich in Gesetzgebung.

An der Wand hängt die weiß-blaue Fahne des Freistaats, der Redner am Holzpult gestikuliert aufgeregt und aus den Fraktionen ist zustimmendes Gemurmel zu hören. Der bayerische Landtag stimmt gerade über ein Gesetz zur Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen ab – mit dem kleinen Unterschied, dass die Fahne nur mit Klebeband angebracht ist und die Abgeordneten keine echten Politiker sind, sondern alle noch die Schulbank drücken.

Die Zehntklässler der Realschule Neusäß nehmen am Planspiel „Der Landtag sind wir“ teil. Für einen ganzen Unterrichtstag schlüpfen die Jugendlichen in die Rolle von Abgeordneten aller fünf im Landtag vertretenen Fraktionen. Am Beispiel des Falls der Videoüberwachung lernen sie den Weg eines Gesetzes kennen. Zunächst beraten sie in ihren Fraktionen über die Vorlage, dann diskutieren sie in drei verschiedenen Ausschüssen über Innere Sicherheit, rechtliche Fragen und die Vorteile der Überwachung für die Wirtschaft. Am Ende stimmen die Schüler über das Gesetz ab.

ANZEIGE

Das Planspiel ist eine Initiative des Bayerischen Landtages und einer Forschungsgruppe der Universität München. Auch „echte“ Landtagsabgeordnete kommen mit in die Schulen, um den Jugendlichen aus ihrem Arbeitsalltag zu berichten. „Die Schüler haben das super gemacht“, sagt Heike Hoffmann, die zum Organisationsteam gehört. „Aber man hat auch gemerkt, dass in den verschiedenen Ausschüssen sehr unterschiedlich diskutiert wurde.“

Die Zehntklässler gehen in ihren Rollen auf, keine Spur von Politikverdrossenheit. Manche treten etwas schüchtern an das Rednerpult, um die Ergebnisse ihrer Fraktion vorzutragen, andere sind sicherer und unterstreichen ihre Worte mit kräftigen Gesten. So wie Elias Tiedeken, der für die CSU spricht. „Jetzt sieht man erst, was für eine gewaltige Arbeit Politiker leisten“, sagt der Schüler. Der 16-Jährige sitzt selbst im Neusässer Jugendbeirat, durch das Planspiel hat er „viele gute Erfahrungen“ gemacht. Aber er habe auch gesehen, dass es wichtig sei, seine Meinung hart zu vertreten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Selbst einmal in die Politik zu gehen, könne er sich gut vorstellen, sagt Elias.

Am Ende ihres Tages als Abgeordnete dürfen die Jugendlichen noch ihre Fragen an die anwesenden Landtagsabgeordneten richten. Christine Kamm (Grüne) und Brigitte Meyer (FDP) sind in die Schule gekommen, außerdem auch der Bundestagsabgeordnete Alexander Süßmaier (Linke), der selbst Schüler der Realschule Neusäß war. Schon am Morgen hatte der Landtagsabgeordnete Johannes Hintersberger (CSU) die Jugendlichen besucht. Der Großteil der Zehntklässler fängt bald eine Ausbildung an, Fragen nach gerechter Bezahlung, Lohn und Wertschätzung interessieren die Schüler deshalb besonders. Ein Jugendlicher will außerdem von den Landtagsabgeordneten wissen, ob ihr Job ihnen noch Spaß mache. „Ja, denn sonst könnte man das nicht lange aushalten“, antworte Brigitte Meyer und lacht. Sie rät den Jugendlichen, sich möglichst früh zu engagieren und auf kommunaler Ebene mitzugestalten. „Demokratie ist etwas, bei dem man mitmachen muss“, prägt auch Alexander Süßmaier den Schülern ein. „Das ist keine Zuschau-Veranstaltung.“

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Schlagworte

Neusaess

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Unsere Autoren von A bis Z
Sarah Schierack

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin



Veranstaltungen vom 26.05.2013
Partnersuche