Thierhaupten. Soll man bei der energetischen Sanierung des Rathauses sparen oder lieber eine optisch ansprechendere und hochwertigere, aber teurere Lösung wählen? Diese Frage hat der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eingehend diskutiert. Architekt Hans Hölzl und Ingenieur Jörg Böhler stellten verschiedene Alternativen vor, die sich in Lüftung, Fenstern und Dämmung unterschieden.
Ursprünglich sollte die Sanierung 265 000 Euro kosten; sie wird vom Bund mit insgesamt 225 900 Euro aus dem Konjunkturprogramm II bezuschusst. Den Sanierungsplänen und den Kosten hatte der Gemeinderat in seiner Sitzung im Februar bereits zugestimmt. Offen war jedoch noch die Frage der Lüftung, die für das künftig wärmegedämmte Haus sehr wichtig ist.
-
ANZEIGE
Die jetzt vorgestellte Variante eins beinhaltete eine sogenannte fensterintegrierte Lüftung. Hier würden die Gesamtkosten der Sanierung auf 312 000 Euro steigen. Die Variante zwei für insgesamt 341 000 Euro sieht eine zentrale Be- und Entlüftungsanlage im Dachgeschoss mit Wärmerückgewinnung vor, die dann für Frischluftzufuhr in den einzelnen Räumen sorgt. Variante drei für 355 000 Euro ist wie Variante zwei, enthält aber für die WC-Anlagen eine eigene Be- und Entlüftung.
Architekt und Ingenieur empfahlen die zweite Variante, denn sie biete ein recht gutes Ergebnis. Außerdem sei für den Sitzungssaal des Rathauses eine fensterintegrierte Lüftung zu wenig - für Bürgermeister Franz Neher das ausschlaggebende Argument, eine zentrale Lüftungsanlage zu favorisieren.
Billiger, aber optisch weniger ansprechend
Jürgen Sturm aus Thierhaupten hatte sich eine kostengünstigere Lösung für die Lüftung überlegt, die er ebenfalls im Gemeinderat vorstellte. Sie wäre um 24 000 Euro billiger, wäre aber optisch nicht so zufriedenstellend wegen Auslässen aus Decke/Boden für die Luftzufuhr in jedes Büro, während die Abluft unter den Türen von selbst in die Gänge strömen soll. Dazu müssten aber möglicherweise die Türen unten gekürzt werden. und wären dann nicht mehr schalldicht.
"Wir würden das so nicht planen und ausführen lassen", machte Ingenieur Böhler dazu deutlich und kündigte an, sich in diesem Falle aus dem Auftrag zurückziehen. Er könne nur das von ihm Vorgestellte vertreten. Der Gemeinderat entschied sich schließlich bei fünf Gegenstimmen für die von Architekt und Ingenieur empfohlene Variante zwei.
Auch hinsichtlich der Fenster folgte der Rat bei fünf Gegenstimmen den Empfehlungen der beiden Fachleute, wonach Holz/Alufenster und -türen für das Erscheidungsbild des öffentlichen Gebäudes repräsentativer seien. Sie kosten 56 500 Euro und sind in den genannten Gesamtkosten bereits in allen drei Varianten enthalten. Kunststofffenster und -türen hätten zwar nur 43 500 Euro gekostet. Gemeinderat Franz Hölzl meinte jedoch: "Kunststofffenster passen nicht, wir bauen doch für die nächsten 30 bis 40 Jahre."
Zu den Gesamtkosten hinzu kommen noch rund 6000 Euro für eine mineralische Dämmung, die bei sieben Gegenstimmen beschlossen wurde (Kosten: 46 000 Euro). Die Planer hatten dagegen das billigere Styropor vorgesehen (Kosten: 40 200 Euro). Fragen nach weiteren Einspar-Möglichkeiten, um diese Mehrkosten zu finanzieren, beantwortete der Architekt so: "Wir haben schon die ursprünglichen Kosten von 92 000 Euro für die Heizanlage fast halbiert auf jetzt 48 000 Euro. Sonst lässt sich nirgendwo mehr vertretbar sparen." Von Margret Sturm
























