Landkreispolitiker wollen keine Zuschüsse geben. Damit wackelt die gesamte Finanzierung für das Zusmarshauser Prestigeprojekt Von Christoph Frey

Landkreis Augsburg Der geplante Bau einer Römerstation am Rothsee bei Zusmarshausen hängt am seidenen Faden. Die Beteiligung des Landkreises an dem 500000-Euro-Projekt ist äußerst fraglich. Das zeichnete sich gestern bei den Etatberatungen des Kreisausschusses ab.
Wenn aber der Landkreis die im Finanzierungskonzept vorgesehenen 90000 Euro verweigert, könne sich Zusmarshausen die Mansio, aus der eine Touristenattraktion werden soll, nicht leisten, warnt Bürgermeister Albert Lettinger.
Bereits den Daumen gesenkt hat die CSU-Fraktion auf ihrer Haushaltsklausur am Wochenende. Für Fraktionschef Heinz Liebert ist die zentrale Frage, ob die Förderung des Vorhabens den Landkreis überhaupt etwas angeht. Lieberts Antwort: „Nein.“
Skeptisch äußerte sich auch Harald Güller für die SPD-Fraktion. Seine größten Bedenken gelten dem Verein „Populares Vindelicenses“, der die Mansio bespielen soll, damit der Nachbau aus der Römerzeit nicht zur Investitionsruine wird. Für Güller ist die Frage, ob der Verein die Mansio – geplant ist ein 1200 Quadratmeter großes Areal mit Stallungen, Schmiede, Katapulten und einen festen Hauptgebäude – mit Leben erfüllen kann, nicht ausreichend geklärt. Grüne und FDP wollen heuer ebenso kein Geld locker machen, könnten sich das unter Umständen in den nächsten Jahren vorstellen.
Andere Landkreise würden derartige Projekte fördern, wetterte der Zusmarshauser Kreisrat Walter Aumann (SPD): „Das ist für die gesamte Region wichtig. Wir sollten uns jetzt nicht in das Zeitalter der Hasenfüße begeben.“ Ebenso wie der Zusmarshauser Rathauschef Lettinger (Freie Wähler) warb Aumann massiv für den Zuschuss des Landkreises zu dem Projekt, das mit Hilfe von EU-Fördermitteln (150000 Euro) verwirklicht werden soll.
Landrat Martin Sailer (CSU) scheint auf der Suche nach einem Kompromiss: „Es gibt Mittelwege“. Auf seinen Vorstoß hin („Es sind noch Fragen offen“) wurde die endgültige Entscheidung über die Mansio vertagt, bis Anfang März muss sie aber fallen. Bis dahin will der Landkreis seinen Etat unter Dach und Fach haben.
Lieber mehr Schulden als eine höhere Umlage
Bis zu diesem Zeitpunkt wird auch entschieden sein, wie viele Millionen sich der Kreis heuer von den Banken borgen will. Die Tendenz unter den Kreisräten derzeit: eher mehr denn weniger.
Dafür soll möglichst die Kreisumlage nicht steigen, welche die Städte und Gemeinden an den Kreis abführen. Sie liegt derzeit bei 49 Prozentpunkten. Bei CSU-Fraktionschef Liebert liegt die Schmerzgrenze bei 50 Punkten.
Kreiskämmerer Martin Seitz würde dagegen lieber den Anstieg der Neuverschuldung (derzeit steht der Kreis mit gut 36 Millionen Euro in der Kreide) bremsen. Das hat auch die Regierung von Schwaben als Aufsichtsbehörde angemahnt. CSU, SPD und Freie Wähler wollen dagegen lieber die niedrigen Zinsen auf dem Kreditmarkt nützen. Ihr Argument: So bleibe den Städten und Gemeinden mehr Luft für eigene Investitionen, weil sie weniger Geld an den Landkreis abführen müssen.
Insgesamt will dieser heuer über 33 Millionen Euro investieren. Zu den größten Brocken zählen dabei der Neubau der beruflichen Schulen in Neusäß und des Diedorfer Gymnasiums (zusammen rund 55 Millionen Euro). Die Vorarbeiten für die beiden Mammutprojekte schlagen heuer mit gut vier Millionen zu Buche.
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