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12. September 2009 04:57 Uhr

Schnell ist Birne mittendrin im Schlamassel

Dinkelscherben Allgäu-Krimis sind im Moment angesagt. Am gestrigen Tag erschien das neue Abenteuer von Kommissar Kluftinger, doch hat auch der Autor Willibald Spatz aus Dinkelscherben einen Roman vorgelegt, der in Kempten spielt. "Alpendöner" heißt das Buch. Von Michael Kalb

Bier statt Kässpatzen - Kemptens neuer Krimiheld heißt Birne. Er ist einer der liebenswerten Charaktere, die Willibald Spatz in seinem Buch zum Leben erweckt. "Kultverdächtig" nennt der Verlag den "Alpendöner". Die Handlung ist schnell zusammengefasst. Ein junger Mann namens Birne tritt einen Job in Kempten an. Schon nach wenigen Tagen wird in der Nachbarwohnung eine alte Frau ermordet und schnell ein vermeintlicher Täter gefunden. Plötzlich steckt auch Birne mitten in den Ermittlungen und gerät in ein mächtiges Schlamassel, aus dem er nur mit einem blauen Auge wieder herauskommt. Erzählt wird eine spannende Geschichte, die sowohl die Liebe, aber auch ernste Themen wie Ausländerfeindlichkeit oder Alkohol thematisiert.

Viele Leser erwarten von einem Krimi viel Action und Hochspannung auf jeder Seite. Sie werden Schwierigkeiten mit dem "Alpendöner" haben. "Ich finde Krimis gut, in denen es vor allem um die Menschen und Orte geht, von denen sie erzählen", so der Autor Willibald Spatz über sein Buch.

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Am Schreiben reizt, Dinge weiterzuspinnen

Er war im Jahr 2006 in Kempten an der Staatlichen Realschule als Lehrer. "Als ich dort neu war, habe mich stellenweise so gefühlt wie Birne", berichtet Spatz. Auch habe es Situationen und Personen gegeben, die ihm Ideen für die Handlung geliefert hätten. So existiere die im Buch beschrieben Kneipe "Künstlerhaus" tatsächlich. "Parallelen zu den Saufgeschichten des Protagonisten sind natürlich frei erfunden", sagt der Autor lachend. Ein großer Reiz beim Schreiben sei die Tatsache, dass Dinge weitergesponnen werden können. Damit spielt der Krimischreiber auf Passagen im Buch an, in denen Birne beispielsweise von einer kriminellen Jugendbande verfolgt wird oder sich in das Haus der Verstorbenen einschleicht. Dass in "Alpendöner" ein Mord geschehe, sei lästig, er bringe die Dinge durcheinander. "Er stört zunächst wie ein Nutellabrot, das in der Früh zu Boden fällt und einem den Tag versauen kann."

Willibald Spatz, Jahrgang 1977, hat in Würzburg Biologie und in München Kulturkritik studiert. Er lebt zurzeit in Dinkelscherben nahe seines Heimatortes Agawang, unterrichtet am Stetten-Institut in Augsburg Biologie, Chemie und Physik und schreibt als freier Autor zum Beispiel für die Zeitschrift "Theater der Zeit". Zum Schreiben kam Spatz bereits in seiner Kollegstufenzeit, als er vor allem Theaterstücke zu Papier brachte. "Theater ist ein toller Weg, jemanden zu erreichen. Man braucht nur ein paar Freunde, die Lust haben mitzumachen, und einen Raum mit Bühne", so Spatz. Jahrelang war er in Theatergruppen, das änderte sich mit dem Umzug nach Kempten. "Ich kannte niemanden dort, mit dem sich Theater machen ließe, also fing ich an, ein Buch zu schreiben", so der Autor. Nach einer gewissen Zeit habe er dann ein halbes Buch vor sich gehabt, und sich entschieden, es fertigzuschreiben.

Nachdem er sein Werk einigen wenigen ausgewählten Personen zu lesen gegeben hatte, kam dann zwei Jahre später ein guter Freund auf ihn zu und motivierte ihn, das Buch an eine Agentur zu schicken. Diese vermittelte Spatz dann im März dieses Jahres an den Verlag "Gmeiner", der auf Regionalkrimis spezialisiert ist. Im Juli 2009 ist dann der "Alpendöner" erschienen, mit einem Starterfolg, mit dem selbst Willibald Spatz nicht gerechnet hatte. Die ersten beiden Auflagen waren innerhalb von einem Monat vergriffen, so dass es stellenweise zu Engpässen in den Buchhandlungen kam. Mittlerweile ist das Buch in der dritten Auflage zu 4000 Stück erschienen.

Das zweite Abenteuer spielt in Augsburg

Zurzeit dreht der vielseitige Künstler einen Spielfilm mit der Filmgruppe der Jungen Kultur Dinkelscherben, der wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres zu sehen sein wird. Auch das zweite Abenteuer des Krimi-Heldens Birne ist fast fertig, es spielt in Augsburg. "Es kommt einiges nach", verrät Spatz.

Bis dahin kann man sich schon mal vom "Alpendöner" unterhalten und zum Lachen bringen lassen, denn wer mit skurrilen Typen, schrägen Alltagssituationen und dem Humor von Filmen wie "Wer früher stirbt, ist länger tot" was anfangen kann, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Herausgekommen ist kein Kluftinger-Aufguss, "Birne" ist eine ganz andere Figur - er ist kein Polizist, wesentlich jünger und mag lieber Bier als Kässpatzen.

Alpendöner: Birnes erster Fall. Ein Allgäu-Krimi (2009). 322 Seiten, broschiert, Gmeiner Verlag, ISBN: 3-8392-1028-4, 9,90 Euro.

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