Diesen Tag im Juli werden mehrere Fußballspieler nicht vergessen: Ein Kicker des SV Cosmos Aystetten brach mit einem Herzstillstand auf dem Spielfeld zusammen. Mitspieler und Trainer retteten ihm das Leben Von Florian Eisele



Aystetten Es sind Sekunden in diesem Jahr gewesen, die wohl niemand der Beteiligten jemals wieder vergessen wird: Es ist Juli, im Fußball wird die erste Runde des Toto-Pokals zwischen Mickhausen und den Gästen aus Aystetten gespielt. Die Partie ist längst entschieden – es steht 3:0 für Ay-stetten – als der Fußball in den Hintergrund rückt. Aystettens Spieler Miroslav Ivusic, der gerade vorher erst eingewechselt wurde, bricht mit einem Herzstillstand zusammen. Von nun an sind es Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden.
Max Reiser, einer seiner Mitspieler, erinnert sich heute daran: „Es gab einen Freistoß oder einen Einwurf, irgendwas Belangloses. Dann ist Miro zur Auswechselbank getorkelt, hat seine Hand noch gehoben und ist hingefallen.“ Speziell die Art und Weise des Sturzes seines Mitspielers ist dem 25-Jährigen in Erinnerung geblieben: „Das kann man gar nicht nachmachen. Er ist mit dem Gesicht voran auf den Boden gefallen.“ Nur wenige Zuschauer wussten, wie gefährlich die Situation wirklich war – dass Ivusic in diesen Momenten um sein Leben kämpfte und einen Herzstillstand erlitt.
Sein Trainer wusste sofort, dass Ivusic um sein Leben kämpfte
Einer derjenigen, die wussten, wie schlimm es um den Kicker stand, war Paolo Mavros, der Trainer des SV Cosmos Aystetten. Es war nicht das erste Mal, dass sein Freund und Nachbar Ivusic einen Herzstillstand erlitt. Fast genau ein Jahr vorher brach der Fußballer, damals noch wie Mavros in Diensten von Stadtbergen, im Training zusammen und konnte gerettet werden. „Zwei Tage vor dem Spiel haben wir noch einjähriges Jubiläum gefeiert. Dass es jetzt schon wieder so weit sein sollte, konnte ich einfach nicht glauben.“
Damals wie vor einem halben Jahr hatte Ivusic Glück, dass er von Mitspielern umgeben war, die Erste Hilfe leisten konnten. War es im Training in Stadtbergen ein Mitspieler, der im Hauptberuf Bademeister war, war es in Mickhausen Mannschaftskamerad Max Reiser, der bei der Bundeswehr als Sanitäter gedient hatte. Der 25-jährige Gersthofer, der beim SV Cosmos in der Abwehr spielte, erinnert sich: „Ich bin zu ihm hingesprintet und habe seinen Puls gefühlt, der war ganz weg.“ Sofort danach begannen er und Trainer Mavros mit einer Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Unterstützt wurden sie dabei von Betreuerin Julia Müller, einer Krankenschwester, die selbst beim CSC Batzenhofen Fußball spielt. Nach Minuten des Bangens gelang es ihnen, ihren Mitspieler wieder ins Leben zurückzuholen. In den Krankenwagen konnte er selbst wieder einsteigen.
Wahrscheinlich rettete ein Zufall das Leben des Spielers
Dass Reiser überhaupt als Sanitäter bei der Bundeswehr war, war ein großer Zufall: Eigentlich wollte er gar nicht zur Bundeswehr und glaubte, ausgemustert zu werden. „Als ich dann doch hinmusste, dachte ich mir: Dann lerne ich wenigstens was – und habe mich als Sanitäter gemeldet.“ Ein Zufall, der seinem Mitspieler das Leben gerettet haben dürfte.
Ivusic selbst hat seinen angeborenen Herzfehler durch eine Operation im Herbst mittlerweile beheben lassen, Fußball hat er seitdem nicht mehr gespielt. „Ich schätze, das ist auch besser so“, sagt Reiser heute. Sein Trainer ergänzt: „Diese Situation habe ich zweimal in meinem Leben erlebt. Ich möchte das nie mehr wieder haben.“
Erst vor Kurzem sei Ivusic, der in einem Nachbarhaus wohnt, bei seinem Freund und Ex-Trainer vorbei gekommen. „Da hat er – wahrscheinlich im Flachs – gesagt, dass er gerne mal wieder im Training mitkicken möchte. Ich habe ihm geantwortet: So lange ich Trainer bin, kannst du das vergessen“, sagt Mavros und kann schon fast wieder über das Lachen, was ihm im Sommer des nun bald abgelaufenen Jahres den Atem stocken ließ.
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