Altbürgermeister kritisiert in Frageviertelstunde erstmals aktuelle Politik in Gersthofen. Er sieht darin ein verheerendes Vorhaben Von Gerald Lindner



Gersthofen Er hatte sich geschworen, sich nach seinem Ausscheiden aus dem Amt nicht mehr zur aktuellen Gersthofer Politik zu äußern. Doch in der Bürgerfrageviertelstunde des Planungsausschusses am Dienstagabend ergriff Altbürgermeister Siegfried Deffner die Gelegenheit für ein vehementes Plädoyer zum Erhalt der Strasser-Villa, in der das Gersthofer Kulturamt untergebracht ist.
62 Zuhörer dabei
Mit 61 weiteren Gersthofer Bürgern hörte er der Vorstellung der neuesten Pläne für das Forum – ein Einzelhandelszentrum in der Stadtmitte – zu. Über dies hatte der Stadtrat, wie berichtet, kürzlich in nicht öffentlicher Sitzung beraten. Dabei wurde beschlossen, dass auch mit dem Abriss der circa 100 Jahre alten Strasser-Villa und des westlich davon gelegenen Kirner-Hauses geplant wird.
„Der Abriss dieser Villa ist ein kommunalpolitischer Fehler, ein schwerer städteplanerischer Sündenfall“, wetterte Deffner. Vielen Bürgern sei die historische Bedeutung des heutigen Kulturamtsgebäudes und früheren Bauamts nicht bewusst. „Städteplanung ist eine Symbiose zwischen Entwicklung und Bewahrung“, betonte er. „Letzteres ist in Gersthofen leicht, weil es hier kaum historische Gebäude gibt.“
In seiner Amtszeit habe die Stadt alles getan, um das Gebäude zu erhalten. So sei die seit 100 Jahren für die damalige Brauerei-Familie Strasser gebaute Villa in ihrer Substanz nicht angetastet worden und im Umfeld eine kleine grüne Oase entstanden. Deffner: „Ich bitte sie eindringlich, von diesem verheerenden Vorhaben abzurücken, das viele Gersthofer ins Mark trifft.“
Über die Nutzung des Hauses als Kulturamt lasse sich trefflich streiten. „Aber auch diese Abteilung des Rathauses ist, mit eigenen Öffnungszeiten und eigenem Aufgabengebiet, hier trefflich untergebracht.“
Deffner erinnerte an seine Bürgermeisterzeit, in welcher alte Gebäude geschont worden seien. Er blendete zurück unter anderem zur Generalsanierung der 100 Jahre alten Pestalozzischule. „Ein Neubau wäre damals billiger gewesen.“ Den Wasserturm habe man von Haus aus als Bestandteil des Entwurfs für das neue Ballonmuseum festgehalten. „Heute steht er besser da als jemals zuvor.“ Und auch, als die Stadthalle um die „Stadteiche“ herumgebaut worden sei, habe man richtig entschieden. Deffners Auffassung zufolge hätte die alte Villa von Haus aus als unverhandelbar betrachtet werden müssen. „Dann hätte der Planer des Forums keine Chance gehabt, auch ohne das heutige, für eine halbe Million Mark sanierte Kulturamt zu planen.“
Der Altbürgermeister holte noch einmal aus. Es sei ein großer Fehler gewesen, einen Frequenzbringer wie die Kunsteisbahn aus der Stadt herauszutreiben. „Wenn der Stadtrat so weiter macht, werde ich mich auch künftig nicht ruhigstellen lassen“, schloss er unter dem Beifall zahlreicher Zuhörer.
Schantin: Keine Tabus
Bürgermeister Jürgen Schantin konterte: „Es geht hier nicht nur um ein weiteres Einkaufszentrum, sondern um das neue Stadtzentrum unter Einbeziehung des City-Centers zu einem guten Abschluss zu bringen.“ Da dürfe es, wie Deffner früher öfter selbst gesagt habe, keine Tabus geben. „Für das, was wir wollen, muss man unter Umständen auch Opfer bringen.“
Der Stadtrat sei nicht leichtfertig mit dem Areal umgegangen so der Rathauschef weiter. „Die bisherigen Pläne für das Forum wurden öffentlich diskutiert in Ausschusssitzungen“, entgegnete Schantin auf Kritik weiterer Zuhörer an der nicht öffentlichen Entscheidung im Stadtrat. Im Laufe der Diskussionen mit dem Investor und dessen Architekten habe sich ergeben, dass auch eine Lösung ohne Villa und Kirnerhaus geplant werden sollte.
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