Samstag, 18. November 2017

13. November 2017 04:50 Uhr

Landkreis Augsburg

Sollte eine Atom-Wolke über die Region ziehen ...

Bei einer Übung wurde der Ernstfall im Kernkraftwerk Grundremmingen geübt. So trifft es den Landkreis.

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Nicht nur von außen, auch im Innern des Kernkraftwerks Grundremmingen hat man kaum etwas von der Stabsrahmenübung am Samstag mitbekommen. Der Reaktor-Unfall fand lediglich in der Theorie statt.
Foto: Bernhard Weizenegger

Menschen liegen in den Trümmern ihrer Häuser, Straßen und Brücken sind zerstört. Überall Sirenen, Blaulicht, Aufregung. Das Erdbeben mit einer Stärke von 7,9 auf der Richterskala hat den Landkreis Augsburg in den frühen Morgenstunden überrascht. Nach dem ersten Schock droht schon der nächste: Das Kernkraftwerk in Gundremmingen meldet einen Störfall in einem Reaktorblock. Eine radioaktive Wolke droht über die Region zu ziehen. Was wie eine spektakuläre Szene aus einem Hollywood-Streifen anmutet, war zum Glück am Samstag nur eine Übung, der Vorfall fiktiv.

Landratsamt war gut vorbereitet

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Mittendrin in der „Stabsrahmenübung“, die die Regierung von Schwaben alle sechs Jahre abhält, war am Samstag Kerstin Zoch, Pressesprecherin des Landratsamts Augsburg. „Die Ausmaße der Übung waren hier im Landkreis Augsburg weniger schlimm als befürchtet. Wie wären für das schlimmste Szenario sehr gut vorbereitet gewesen“, bilanziert sie.

Ganz ohne Schrammen wäre die Region aber nicht weggekommen, wenn in Grundremmingen der Ernstfall einträte. Im Testlauf wurde simuliert, dass einer der beiden Reaktorblöcke nach dem Beben beschädigt worden ist. Um den Druck im Behälter zu senken und ein totales Desaster zu vermeiden, hätten die Betreiber eine Art Notlüftung veranlasst: Dabei wäre mit den entweichenden Gasen auch Radioaktivität in die Umwelt gelangt. In der Mittelzone, einem 20 Kilometer-Radius rund um das Kraftwerk, wären besonders Emersacker, Welden, Altenmünster, Zusmarshausen und die Region Dinkelscherben betroffen gewesen.

Rat an die Betroffenen: Zuhause bleiben

„Die betroffenen Menschen in dieser Region müssten dann im Haus bleiben, Fenster und Türen schließen, keinen Waldspaziergang unternehmen und am Radio hören, welche Neuigkeiten und Entwicklungen es gibt“, erklärt Kerstin Zoch. Die Bürger dieser Gemeinden wären es auch, welche Iodtabletten zu sich nehmen müssten. Die Dosis soll verhindern, dass die menschliche Schilddrüse radioaktives Jod aufnimmt. „Im Landkreis gibt es einen Vorrat, der nach der Warnung an ausgewählte Feuerwehrhäuser sowie Apotheken gebracht wird. Die Bevölkerung wird dann aufgerufen, sich die Tabletten selbst zu holen“, sagt Kerstin Zoch. Da allerdings der Zeitpunkt der Einnahme eine wichtige Rolle spiele, müsse das in Absprache mit der Gesundheitsbehörde kommuniziert werden.

Alle aktuellen Entwicklungen ließen sich im Ernstfall jederzeit im Radio oder auf der Homepage des Landratsamts nachvollziehen. Chronologisch werden dort die harten Fakten gebündelt. „Wichtig ist es, die Panik und Flucht möglichst gering zu halten“, so Zoch. Bei einer Evakuierung dürfe keine Hektik ausbrechen. „Man weiß nie, wie die Menschen unter Druck reagieren oder welche Gerüchte verbreitet werden“, erklärt die Pressesprecherin. Der Faktor Mensch sei im Realfall nie zu unterschätzen. Die Übung wurde jedoch nur theoretisch am Computertisch durchgespielt.

Für Rückfragen gäbe es ein Bürgertelefon

Fiktiv im Einsatz auf den Straßen waren 250 Hilfskräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks (THW), dazu 600 Polizisten. „Wahrscheinlich wären es im Zweifel noch mehr“, mutmaßt Kerstin Zoch. Im Landratsamt seien insgesamt 20 Mitarbeiter sowie zehn Experten der Polizei, THW, Bundeswehr sowie des Roten Kreuzes aktiv gewesen. „Es geht vor allem um die Kommunikation untereinander sowie nach außen. Das hat in unserem eingespielten Team aber bestens funktioniert“, lobt sie. So gedeutet haben das auch die beiden Beobachter der Regierung von Schwaben: Im Landkreis Augsburg werde vorbildlich gearbeitet, der Katastrophenschutz sei gut abgestimmt.

Bei der Übung zum ersten Mal im Einsatz waren sieben Mitarbeiter am Bürgertelefon. Sie geben Antworten auf Rückfragen, die aus der Bevölkerung kommen: Mein Hund ist entlaufen, darf ich ihn im Wald suchen gehen? Meine Kinder sind im Kindergarten, erhalten sie rechtzeitig Hilfe und die Jod-Tabletten? Was soll man tun, wie richtig reagieren?

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Ein Artikel von
Sven Koukal

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontär


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