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22. August 2011 08:12 Uhr

Mauerbau vor 50 Jahren

Tränen eines Italieners offenbaren die Tragik

Erst war die Situation unbegreiflich für Werner Lorenz. Doch dann haben ihn die geschafften Tatsachen schwer betroffen gemacht Von Eva Gellner

LandkreisAugsburg/Diedorf „Der Mauerbau hat doch weitgreifende Folgen“, wurde Werner Lorenz später erst bewusst. Als damals 17-Jähriger habe er den Bau der Mauer vor 50 Jahren erst nicht als dramatisch empfunden. „Schließlich gab es immer Spannungen in Berlin“, sagt Lorenz.

Während seine Arbeitskollegen im August 1961 Urlaub machten, lauschte der damalige Lehrling zum Großhandelskaufmann der Mitteilung über die Arbeiten am Radio. Sein Bezug zu Berlin war zu dieser Zeit noch nicht sehr groß. Zwar habe er mit seinen Kollegen in den Pausen über die Geschehnisse gesprochen, doch die Spreestadt war für ihn zu weit weg.

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Später machte der heute 67-Jährige ungefähr 13 einwöchige Ausflüge in die Hauptstadt. Nach seiner Lehre zum Großhandelskaufmann war er zudem als Ausbildungsleiter bei der Firma NCR in Augsburg tätig. Berufsbedingt verstärkten sich seine Fahrten und sein Interesse an Berlin. Lorenz erinnert sich an eine Situation, bei der ihm damals die tatsächliche Wirkung der Berliner Mauer bewusst wurde.

„Am Brandenburger Tor traf ich einen Italiener, der bitterlich weinte“, berichtet Werner Lorenz. Der Fremde sei fassungslos gewesen. Er habe sich vorgestellt, wie es sein würde, wenn die Menschen in Rom durch eine Mauer getrennt wären. Dieser Gedanke machte ihn traurig. „In diesem Moment wurde auch mir bewusst, was den Menschen durch dieses Bauwerk angetan wird“, erinnert sich Lorenz. Der 67-Jährige hat sich schon immer sehr für Geschichte interessiert. „Meine Büchersammlung erstreckt sich mittlerweile auf drei Etagen“, so Lorenz stolz. Das Gründungsmitglied des Heimatgeschichtlichen Vereins Diedorf begann früh, Informationen und Wissenswertes rund um die Mauer zu sammeln. In seiner Zeit als Vorsitzender bei der SPD sei er ständig an Material aus der DDR gekommen.

Zusammen mit Bruchstücken der Berliner Mauer ließ sich daraus 2009 eine interessante Ausstellung in Diedorf gestalten. Der Augsburger Unternehmer Matthias Maresch kaufte einst Stücke der Berliner Mauer. Weil er nicht wusste, wo er die Mauerteile lagern sollte, holte er sich den stellvertretenden Landrat des Landkreises, Max Strehle, zur Hilfe. Letztendlich fand das historische Gut ein neues Zuhause in Diedorf, dank dem Bürgermeister Otto Völk. Und dort stehen die Originalteile auch heute. Werner Lorenz sammelt immer noch sämtliche Protokolle, Fest- und Zeitungsartikel für Diedorf. Die Teilung Berlins ist für den historisch Interessierten und Engagierten eine wichtige Zeit. „Der Ost- und Westgegensatz war hautnah mitzuerleben“, erinnert sich Lorenz. Er werde diese erschütternden Momente auch nicht mehr vergessen. „50 Jahre reichen nicht aus, um Erinnerungen verblassen zu lassen.“

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