Samstag, 29. April 2017

08. Oktober 2014 00:36 Uhr

Geschichte

Was vom Verbrechen übrig blieb

Am Umgang mit einem ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlager scheiden sich die Geister Von Petra Krauss-stelzer

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Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs zeigen sich manchmal erst auf den zweiten Blick, beim genauen Hinsehen: Eine brach liegende Fläche im Gablinger Gewerbegebiet Am Flugplatz, in Nachbarschaft zu Gablingen-Siedlung und der neuen Justizvollzugsanstalt, zeugt davon: Auf dem Gelände befand sich gegen Ende des Weltkriegs ein KZ-Außenlager von Dachau, ein Lager, in dem zwischen Januar und April 1944 zeitweise bis zu 1000 Häftlinge für die Rüstungsindustrie geschuftet haben. Am 24. April 1944 wurde das Lager bei einem Angriff der alliierten Luftstreitkräfte zerstört.

Eine Ausstellung im Foyer des Landratsamtes dokumentiert nun das, was die Kreisheimatpflege Augsburg, die Hochschule Augsburg und der Heimatverein Augsburg in den vergangenen drei Jahren aufgedeckt haben – verbunden vor allem mit der Frage, wie eine angemessene Erinnerung an diese Zeit und an die Opfer gepflegt werden könnte. Dies umso mehr, als bei der Ausstellungseröffnung einer der letzten Überlebenden der Hölle von Auschwitz und Dachau anwesend war, der 84-jährige Laszlo Schwarz, der in New York und Münster wohnt und anlässlich einer Lesung in Augsburg weilte.

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Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf war es, die sich, aufmerksam gemacht durch den Gersthofer Hobbyforscher Reinald Schlosser, an die Bewahrung der Überreste gemacht hatte, die von hohem Gras überwuchert im oder auf dem Boden des Geländes lagern. Der betroffene Teil des Gewerbegebiets wurde 2012 unter Denkmalschutz gestellt, der Bebauungsplan dafür geändert. So konnte die Erforschung beginnen, erinnerte Gisela Mahnkopf bei der von stellvertretendem Landrat Heinz Liebert eröffneten Ausstellung. Auch mit Hilfe der Gemeinde Gablingen wurden die Grundstücke von Schuttbergen befreit, und alle auf den Luftbildern vor und nach der Bombardierung erkennbaren Gebäude konnten identifiziert werden: Kies- und Betonfundamente, Bodenplatten von insgesamt zwölf Wohn- und Lagerbaracken, drei Abortbaracken, vier Waschbaracken, ein Torhaus und ein Löschwasserbecken wurden ganz oder teilweise freigelegt.

Zwei Studenten der Hochschule Augsburg vermaßen das Gebiet und machten die KZ-Außenstelle zum Thema ihrer Abschlussarbeit. Architektur-Studenten der Hochschule Augsburg entwarfen Vorschläge, wie eine Gedenkstätte in Gablingen vor Ort aussehen könnte – Lösungen, die von einer „ergreifend hohen Sensibilität dem Thema gegenüber“ zeugen, war Gisela Mahnkopf beeindruckt. „Kriegsschauplätze und Konzentrationslager sind ein schwer zu tragendes Erbe“, sagte Gisela Mahnkopf. Die dunklen Momente der Geschichte könne man jedoch nicht ausblenden.

„Wir sind für unsere Vergangenheit nicht verantwortlich, für den Umgang mit ihr allemal“, zitierte Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl Bundespräsident Joachim Gauck. Orte des Schreckens müssten „sinnlich erfahrbar“ sein, um die Erinnerungskultur zu pflegen. Ein authentischer Ort ermögliche es, den Opfern ein Gesicht zu geben und hätte höheres Gewicht als jede Erzählung durch einen Historiker. Ein Gedenkstein könne die „vernichtende Gestalt eines KZ nicht erfahrbar machen, sprach Fassl konkrete Überlegungen zum Umgang mit dem historischen Erbe an.

Professorin Susanne Gampfer von der Hochschule Augsburg fand es „herausragend“, dass durch die Änderung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet ein „Ort des Erinnerns“ geschaffen werden könne. Dieser beschäftigt seit geraumer Zeit auch die Gablinger.

Gablingens Bürgermeister Karl Hörmann ist deswegen offenbar auch im Gespräch mit der Gedenkstätte in Dachau, ließ in seinem Grußwort jedoch nicht erkennen, was man sich in der Kommune vorstellen könne. Bislang war intern von einem Gedenkstein die Rede.

Die Ausstellung „Das KZ-Außenlager Gablingen – Zeitgeschichte und Erinnerungskultur“ ist im Landratsamt Augsburg noch bis zum Mittwoch, 29. Oktober, zu sehen. Sie präsentiert die Ergebnisse der Freilegungen, zeigt einzelne Fundstücke, wie Besteck und Geschirr, und die Vorschläge der Architekturstudenten für eine Gedenkstätte. Es liegt eine Broschüre vor. »Kommentar

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