Mittwoch, 17. Januar 2018

10. Januar 2018 17:53 Uhr

Emersacker

Was wird aus den alten Nazi-Bunkern mitten im Wald?

Bis Ende März müssen alle Handwerker, Hobbybastler und Autonarren ihre teils riesigen Lagerhallen auf dem Lerchenberg geräumt haben. Über die Zukunft gibt es nur Gerüchte Von Bärbel Schoen

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Um den Ort ranken sich bis heute große Geheimnisse. Im Wald zwischen Welden, Zusamaltheim und Emersacker liegt der Lerchenberg, abgeschieden von der Umwelt und abgesichert mit hohen Zäunen und teilweise Stacheldraht wie ein Hochsicherheitstrakt. Ein idealer Ort für Menschen, die in Ruhe arbeiten und experimentieren wollen. Jetzt könnte Schluss damit sein: Den Mietern auf dem Gelände wurde gekündigt.

Die rund 30 Mieter hätten vor einem halben Jahr die Kündigung erhalten. Sie verlieren damit Lagerraum zu äußerst günstigen Konditionen, bedauert Thomas Ohnheiser aus Rischgau, der den Lerchenberg wie seine Westentasche kennt. Schon als Kind kam er mit Freunden oft in den Wald, um abenteuerliche Spiele zu veranstalten, später kurvten sie mit allerlei Fahrzeugen auf den Wegen umher. Seinem Vater Helmut schaute er über die Schulter, wie dieser durch Experimente ein Mittel für die Autoindustrie erfand. Heute führt der 35-Jährige selbst Versuche mit verschiedenen chemischen Stoffen an der Verbesserung von Additiven durch. Der Lerchenberg war für den gelernten Industriekaufmann bislang ein geeigneter Ort für kreatives Schaffen. „Schade, dass jetzt Schluss ist“, bedauert er.

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Fast 20 Jahre hatte Thomas Ohnheiser einen der zahlreichen Bunker im Lerchenberg angemietet. „Hier würden zwei Sattelschlepper hintereinander Platz finden“, beschreibt er die enorme Größe. Er selbst nutzte den Bunker anfangs für die Sortierung und Reinigung von leeren Dosen, später für sperrige Paletten und große Flüssigkeitscontainer. Rund 100000 Dosen Systemreiniger lässt Ohnheiser heute in Jettingen und Augsburg abfüllen und verpacken. Die Inhaltsstoffe seiner Produkte will er nicht preisgeben – „streng geheim“. Zu groß ist die Konkurrenz an den Tankstellen. Die Systemreiniger sollen nicht nur die Umwelt schonen, sondern Motoren langlebiger machen.

Was mit dem 40 Hektar großen Gelände geschehen soll, daraus macht der Noch-Besitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ein großes Geheimnis. Noch fehle ihm die letzte Unterschrift, sagte er gegenüber unserer Zeitung. 20 Jahre lang gehörte ihm der Wald zusammen mit den Überresten eines Paraxolwerks aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges – Backsteingebäude und Bunker.

Damals ließ Hitler hier unter größter Geheimhaltung Vorprodukte für die Sprengstoffindustrie herstellen. Tonnenweise wurden dafür bei der Weldener Bahn Kohle, Methanol, Schwefelsäure und Natronlauge verladen. Strengste Schweigepflicht galt für die Zwangsarbeiter des Paraxolwerks. In den Nachkriegsjahren wurden die Backsteingebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Dann übernahm die Bundeswehr das Gelände und baute 32 erdeingedeckte Bunker zur Lagerung von gefährlicher Munition. 1997 begann eine neue Ära, als das umzäunte Gelände in Privatbesitz überging. Genutzt wurden die zwei Dutzend in die Jahre gekommenen Backsteingebäude und 32 Bunker in den vergangenen Jahren vor allem von Handwerkern, Hobbybastlern und Autonarren zum Unterstellen von Fahrzeugen und Maschinen sowie zum Lagern von Putzlumpen, Autoteilen, Papier, Elektronikteilen und Holz. Jetzt heißt es für die Mieter räumen, räumen, räumen. Bis Ende März soll alles draußen sein. Ein Schrotthändler aus Augsburg, der im Lerchenberg amerikanische Autoschlitten restauriert, sagt: „Ich weiß gar nicht, wohin mit dem Zeug.“ Neue Lagerräume seien schwer zu finden. Und was passiert, wenn alles leer ist? Die Gerüchteküche brodelt auf jeden Fall schon kräftig: Der künftige Besitzer soll aus der Immobilien- und Hotelbranche kommen und einen Freizeitpark planen … – offizielle Auskünfte gibt es nicht.

Vielleicht kommen auch neue Filmteams, die den Orts als Kulisse entdecken. So wie Marcus H. Rosenmüller, der dort im vergangenen Sommer Szenen für seinen neuen Fußballfilm gedreht hat.

Der Lerchenberg Mehr Informationen über den geheimnissvollen Ort gibt es im Magazin „Die Wunderwaffe aus dem Wald“ von AZ-Redakteur Maximilian Czysz, das online über www.augsburger-allgemeine.de/shop erhältlich ist.Berichtet wird auch über ein schweres Verbrechen, das sich in einem der noch erhaltenen Chemiebunker auf dem Lerchenberg zugetragen hatte.

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