Freitag, 23. Juni 2017

19. Januar 2012 23:00 Uhr

Demokratie und IslamismusInterkulturelle Akademie Von Stefanie Schoene

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Einst waren die Muslimbrüder die Buhmänner Ägyptens. Doch die, die das Land mit Terror verändern wollten, sind seit den Wahlen friedlicher Teil dieser Gesellschaft. 45 Prozent der knapp 500 Parlamentsmandate fielen an die vormals radikalislamistische Organisation. „Ich bin optimistisch“, erklärt Albrecht Metzger. Der Islamwissenschaftler, der auf Einladung der Interkulturellen Akademie im Mesopotamienverein über „Die Rolle der Islamisten in der arabischen Revolution“ referierte, ist überzeugt, dass die Muslimbrüder demokratiefähig sind. „Kopftuch, Missionierung und Scharia spielten in ihrem Wahlkampf keine Rolle. Sie sind keine Bewegung mehr, sondern eher Pragmatiker und politische Partei.“

Dabei galt die sunnitisch-fundamentalistische Bruderschaft, deren mitunter gewaltbereites Charisma in den vergangenen acht Jahrzehnten auch Palästina, Syrien und Jordanien prägte, im Westen als das personifizierte Scharia-Schreckgespenst. Schließlich verfolgte der Orden, der als antikoloniale und antiwestliche Bewegung in den 20er Jahren gegründet wurde, die gewaltsame Durchsetzung des islamischen Rechts.

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Sie unterhalten karitative Einrichtungen

Seit 1948 ist die Organisation wegen zahlreicher Anschläge verboten. Doch sie blieb politisch aktiv. „Ihre Mitglieder engagierten sich als Unabhängige im Parlament, in zahlreichen Berufsverbänden, Gewerkschaften, Schulen. Sie unterhalten karitative Einrichtungen wie Krankenhäuser und Sozialstationen, vor allem in den ärmeren Vierteln“, erläutert Metzger. Ihr Wahlerfolg 2011 beruhe auf diesem Engagement und auf ihren vier zentralen Wahlkampfversprechen: Gerechtigkeit, Freiheit, Würde und Respekt vor der einfachen Bevölkerung.

Den ebenfalls erfolgreichen Salafisten hingegen gehe jeglicher Pragmatismus ab. Dass 25 Prozent der Ägypter die radikalen, von Saudi-Arabien protegierten Islamisten wählten, erstaunt und besorgt den Referenten: „Ihr Ziel ist nicht Partizipation, sondern Vorherrschaft. Die Umsetzung der Scharia im Strafrecht war eines ihrer Wahlkampfthemen.“ Es bleibe zu hoffen, dass der gemäßigt islamische Flügel der Muslimbruderschaft keine Zugeständnisse an das eigene radikale Lager macht, um die salafistische Konkurrenz auszustechen.

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