Mitten im Dezember wurden die langen und kalten Nächte in Augsburg mit einem Schlag deutlich heller. Vor 160 Jahren, genau am 12. Dezember, ging die Straßenbeleuchtung mit Gas in Betrieb.
Schon bevor vor 160 Jahren August Freiherr von Eichthal und seine Augsburger Gasbeleuchtungsgesellschaft mit der Stadt ins Geschäft kamen, hatten mehrere Unternehmen angeboten, die Augsburger zu erleuchten. Doch die neue Technologie, bei der aus Kohle Gas gewonnen wurde, stieß lange auf Skepsis, bis ihr vor 160 Jahren der Durchbruch gelang - mit Hilfe von Gas ging der Stadt regelrecht ein Licht auf.
Das lässt sich an Zahlen ablesen. Reichten im ersten Betriebsjahr noch 9000 Zentner Kohlen, aus denen 112 000 Kubikmeter Gas gewonnen wurden, verbrauchte Augsburgs Straßenbeleuchtung knapp 50 Jahre später schon die fünffache Menge für über 1300 Straßenleuchten. Gleichzeitig hatte Gas in Privathaushalten und der Industrie Einzug gehalten. 1895 war das Leitungsnetz in der Stadt bereits über 90 Kilometer lang, die Tagesproduktion lag bei über 22 000 Kubikmeter. Innerhalb einer Woche wurde also so viel Gas verbraucht wie 50 Jahre zuvor im Lauf eines ganzen Jahres.
1936 ging der letzte Lampenanzünder in Pension
Das Entzünden der öffentlichen Gaslaternen blieb lange Zeit Handarbeit, ehe das mittels Druckwelle vom Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Gaswerks in Oberhausen aus erledigt wurde. Erst 1936 ging der letzte städtische Laternenanzünder in Pension. Die Zunft hatte Jahrzehnte lang anhand eines Brennkalenders dafür gesorgt, dass jede Laterne zur ihr vorbestimmten Zeit brannte. Manche nur bis 21 Uhr, andere die ganze Nacht über. Für Fabrikarbeiter, die frühmorgens zur Schicht mussten, wurden Laternen bereits um vier Uhr morgens wieder entzündet.
Bis Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts setzte Augsburg bei der Straßenbeleuchtung auch auf Gas. 1976 wurde endgültig auf Strom umgestellt, nur in der Fuggerei, in Göggingen und im alten Gaswerk in Oberhausen leuchtet noch eine Handvoll Gaslaternen.
Aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken
Aus dem Alltag ist Gas dennoch nicht wegzudenken. Zwei Drittel aller Haushalte in der Stadt heizen damit, die Stadtwerke erzeugen Strom mit seiner Hilfe. Längst allerdings wird der Rohstoff nicht mehr selbst gewonnen, sondern aus Russland importiert. Das alte Gaswerk in Oberhausen hat ausgedient und harrt als Industriedenkmal einer neuen Bestimmung. Zuletzt fanden dort kulturelle Veranstaltungen statt, auch über ein Einkaufszentrum wird diskutiert. (AZ/häu/cf)
Gasversorgung Mit ihrer Geschichte befasst sich der Verein Gaswerksfreunde Augsburg. Näheres unter Tel. 08 21/ 58 50 41 oder im Internet unter: www.gaswerksfreunde.de
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