Samstag, 16. Dezember 2017

20. November 2017 00:34 Uhr

Buchvorstellung

Als Brecht frenetisch lachte

Helmut Koopmann widmet sich in seinen gesammelten Studien auch dem Entlegenen. BB behält das Eckige und Ungereimte, jenseits der Stromlinie Von Günter Ott

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Hat Brecht gern gelacht? Und wenn ja, worüber? Solche Fragen lässt die Brecht-Philologie gemeinhin links liegen. Doch für Prof. Helmut Koopmann, der sich den freien Blick auch auf eher Randständiges bewahrt hat, sind sie von Belang. So widmet sich einer seiner jetzt zum Buch gebündelten Essays, noch dazu bislang unveröffentlicht, der Frage nach Brechts Humor.

Das Opus „Bösartigkeiten und Einsprüche. Studien zum Werk Bertolt Brechts“ wurde jetzt im Brechthaus vorgestellt. Es versammelt eine Auswahl von 15 Vorträgen bzw. Aufsätzen (darunter vier unpubliziert). Sie erhellen einen „vielgesichtigen“ und widersprüchlichen Autor, sein Denken und Schreiben, die Theatertheorie und sein Klassikverständnis. Ein Hauptakzent liegt auf der Lyrik, doch auch Entlegenes wie Brechts Verhältnis zu Kindern kommt zur Sprache. Das Ganze ist in all seinen Facetten mit Genuss und Gewinn zu lesen.

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Der langjährige Literaturwissenschaftler an der Universität Augsburg formt ein Brechtbild, das alles andere als eindeutig und bruchlos ist. Koopmann arbeitet gerade das Eckige, Ungereimte, Unfertige, ja Bizarre heraus. Er teilte manchen Seitenhieb aus gegen Biografen, die sich einen stromlinienförmigen Autor zurechtlegen, etwa dem Dichter die eingleisige Rolle des Gesellschaftskritikers überstülpen.

Koopmann, kurz eingeführt von Jürgen Hillesheim, dem Leiter der Brechtforschungsstätte Augsburg, nahm sein Buch gewissermaßen in die eigene Hand. Er streifte die eine oder andere seiner Studien, stellte indes seinen kurzweiligen Vortrag unter das Generalthema „Brecht, der rebellische Fatalist“, einmal mehr die Ambivalenz des Augsburgers hervorhebend.

„Ich habe keine Hoffnung“ – die Brechtzeile diente als Leitfaden durch das frühe dichterische Werk, bestimmt von Unglück und Tod, von Angst und dem Ende der Gewissheit, von Katastrophenlandschaften und steingewordenen Stadtdschungeln. „Es kommt kein Morgen mehr“, so eine andere Brechtzeile. BB, der Fatalist.

Die Ich-Gedichte nehmen in den 1920er Jahren zu, doch Koopmann warnte davor, hier kurzerhand die autobiografische Elle anzulegen. Zumal wenn es um die Liebe gehe, schreibe BB artistische Rollengedichte. Ihr hoher poetischer Reiz liege in der Verbindung von vulgärer Sprache und kunstreicher Montage.

Was aber macht der Fatalist, wenn ihn der Zustand der Welt in Unruhe versetzt? Koopmanns Antwort: Er rebelliert. Nun sind die Brechtattacken seit den frühen Augsburger Theaterverrissen Legion. Es geht gegen die (literarische) Tradition, vor allem gegen die Bourgeoisie. Es geht um Einspruch und zunehmend um ein Denken in Polaritäten – von Schwarz und Weiß, von Ausnahmen und Regeln, Jasagern und Neinsagern. Diese Art von Widerspruchsgeist mag die Verhältnisse überschaubar halten, doch die einfachen Modelle haben, so Koopmann, ihren Preis: „Die Wirklichkeit wird reduziert.“ Das ist nicht zuletzt in Brechts Lehrstücken zu beobachten, die den gemischten, problematischen Bühnencharakter verabschieden.

Im Vorwort seines Buches schreibt Koopmann: BB „hat einige der langweiligsten Dramen geschrieben und einige der schönsten Gedichte, die die deutsche Literatur zu bieten hat.“ Die Lyrik sei wohl doch „das Beste“ seines Werks. Die viel und nicht selten (mit Blick auf den Aufstand vom 17. Juni 1953) missgedeuteten Buckower Elegien gelten dem Augsburger Germanisten als Fortsetzung der Hollywoodelegien: „In ihnen spricht immer noch der Exilant.“ Notabene, Koopmann hält Brechts Exiljahre in der Forschung für unterbelichtet, etwa hinsichtlich einer in Übersee ausgebildeten speziellen Brechtschen Ironie.

Damit sind wir wieder am Beginn. Hat BB gern gelacht bzw. in seinem Werk lachen lassen? Nein, sagt Koopmann, sagen die Porträts, sagen Gedichte und Stücke (mit Ausnahme des „Puntila“ und seiner fast schon absurden Paradoxie). Es ist meist ein Verlachen und Verhöhnen, nichts Befreiendes. Keine Ausnahme? Wenigstens von einer wusste der Referent zu berichten. Als Karl Valentin einmal auf die Frage, warum er eine Brille ohne Gläser trage, antwortete, das sei doch besser als gar nichts, habe das bei Brecht ein „lang anhaltendes, frenetisches Gelächter“ ausgelöst. (Das jedenfalls beschied BB auf eine Zeitungsumfrage zum Thema Humor.)

Band 4 der Schriftenreihe der Brecht-Forschungsstätte, herausgegeben von Jürgen Hillesheim; Königshausen&Neumann, 280 S., 38 Euro

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