Die Studentenproteste haben eine tiefere Ursache: Die neue Art des komprimierten Studierens nagt am Selbstwertempfinden der jungen Leute. Davon ist Uni-Vizepräsident Prof. Werner Wiater überzeugt. "Mich besorgt am meisten, dass die Umstellung der Studiengänge zu psychosozialen Problemen geführt hat", sagte der Pädagogik-Professor beim Ökumenischen Neujahrsempfang der katholischen und evangelischen Hochschulgemeinden. "Die neuen Belastungen berühren im Wesentlichen die Einstellung des jungen Menschen zu sich selbst, zu dem, was er kann, zu seinen Fähigkeiten", so Wiater. Er zitierte den Psychologen Viktor Frankl, dass Selbstwertempfinden sich aufbaut aus Erlebniswerten, die im kulturell-gemeinschaftlichen Bereich, im schöpferisch-aktiven Tun und in den Herausforderungen des Lebens erworben werden. "Gibt es so etwas im Studium?", fragte Wiater. Hier tue sich ein weites Feld für die Hochschulgemeinden auf, die Individualität der jungen Menschen zu fördern.
Kirchen wieder ein Jahr auf Empfang
Auch der Vizepräsident der Hochschule Augsburg, Prof. Klaus Kellner, erwartete von den Kirchen, die Hochschulen "ein Stück menschlicher" zu machen. Mit dem gemeinsamen Jahresbeginn, wozu Pfarrer Thomas Groll und Pfarrerin Regina von Haller-Beckmann ins Haus Edith Stein einluden, bewiesen sie seit zehn Jahren, "dass sie wieder ein Jahr auf Empfang sind".
Im Festvortrag legte der Kirchenhistoriker Prof. Manfred Weitlauff dar, welchen großen Anteil das christliche Mönchtum an der Überlieferung der antiken Kultur in die neuen Reiche nach der Völkerwanderung hatte und wie das christliche Bekenntnis die sprachlich, kulturell und religiös sehr unterschiedlichen Völker vereinigte. Selbst die heidnischen Komödien wurden weitergegeben, weil man an ihnen die lateinische Grammatik üben konnte. Die klösterlichen Schreibstuben trugen mit ihren Sammlungen von Büchern und Urkunden wesentlich zur Erhaltung wichtiger Geschichtsquellen bei. (loi)
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