Vor dem Augsburger Landgericht wird eine Verhandlung geführt, in der es ums Augsburger Theater geht. Ein Augsburger Büro erhebt Ansprüche auf den Bau des „Containers“. Von Nicole Prestle



Dass es im Justizpalast am Alten Einlass ums Theater geht, ist in dieser Spielzeit nicht außergewöhnlich: Mangels Spielstätten hat sich das Ensemble einen Sitzungssaal „geborgt“; gespielt wird „Die Ermittlung“. Am Donnerstag Vormittag nun wird vor dem Landgericht eine richtige Verhandlung geführt. Auch dabei geht’s ums Theater: Das Augsburger Architekturbüro Voit&Partner hat die Stadt auf knapp 169.000 Euro verklagt, weil es – kurz gesagt – das Schauspielhaus nicht bauen darf.
Um dies zu verstehen, muss man ins Jahr 2002 zurückgehen: Der damalige Intendant Ulrich Peters hatte sich für ein Schauspielhaus neben dem Theater eingesetzt. Die Stadt lobte einen europaweiten Architektenwettbewerb aus, den ersten Platz machte der Entwurf von Voit&Partner. Anfang 2003 beschloss der Stadtrat, Fördermittel zu beantragen und, bei positivem Bescheid, Voit&Partner mit dem Bau zu beauftragen. Im August desselben Jahres stand fest, dass sich Augsburg den Elf-Millionen-Bau nicht würde leisten können. Voit wurde schriftlich informiert, die Sache war zunächst erledigt.
Gut elf Jahre später wird nun doch eine neue Bühne fürs Theater gebaut – eine Übergangslösung für 15 Jahre, wie es heißt. Beauftragt wurde ein Augsburger Architekturbüro, nur eben nicht das von Voit&Partner. Genau hier setzt die Klage der Architekten an: „Wir wollen von der Stadt das Honorar für die Vorplanung. Wir hatten eine Rechnung gestellt, die nie bezahlt wurde“, sagt Johannes Voit. Er ist zudem der Meinung, dass sein Büro den Auftrag für den nun entstehenden Bau hätte erhalten müssen: „Es gab einen Wettbewerb, bei Ausführung der Planung muss der Sieger beauftragt werden.“
Die Stadt sieht die Sache anders: „Voit&Partner haben 16000 als Preisgeld für den Wettbewerb bekommen“, sagt Stadtjurist Mark Dominik Hoppe. Danach gab es nur noch eine Besprechung. Weitere Leistungen, die die Stadt angefordert habe, seien nicht erbracht worden. Beim jetzigen Projekt handle es sich außerdem um einen anderen Bau als den, den Voit & Partner entwarfen: „Es ist eine Übergangslösung ohne Unter- und Hinterbühne, ohne Malsaal und ohne Verbindung zum Haupthaus“, argumentiert Hoppe. Deshalb unterscheide sich das 5,9-Millionen-Interim auch im Preis deutlich vom Wettbewerbsentwurf. „Der läge heute sicherlich bei 13 bis 14 Millionen Euro.“
Die Stadt wird vor Gericht von Hochbauamtsleiter Günter Billenstein vertreten. Für Voit & Partner wird ein Projektsteuerer anwesend sein, der 2002 an der Planung beteiligt war. Hoppe ist zuversichtlich, dass die Verhandlung schnell beendet sein könnte, wenn sich die Zeugen nicht zu sehr widersprechen. Johannes Voit dagegen stellt sich auf eine längere Verhandlungsphase ein.
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