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21. Oktober 2009 05:45 Uhr

Auf Elektronenfang mit der Kamera

Winzig klein sind die Dinger und ständig wie ein Mückenschwarm in Bewegung. Elektronen zu fotografieren, scheint ziemlich unmöglich. Bernd Müller ist es trotzdem gelungen. Die Physiker am Sonderforschungsbereich 484 an der Universität Augsburg haben ihm dabei mit ihren Computern geholfen. Sie wollten die Faszination und Schönheit ihrer naturwissenschaftlichen Forschung einmal dokumentiert sehen. Der Augsburger Fotograf Bernd Müller erhielt für seine Posterserie gestern Abend in Berlin den angesehenen Journalistenpreis (5000 Euro) der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).

Vor der Aufnahme redet er stundenlang mit den Leuten

Seine Fotoserie "überzeugt durch Detailtiefe und plastische Darstellung der Gegenstände", urteilte die Jury. Jedes der vier Poster könne als einzelne, in sich stimmige Arbeit betrachtet werden. Bernd Müller war aus dem Häuschen, als er von dem Preis erfuhr. Der acatech-Preis ist "für uns Wissenschaftsfotografen die wichtigste Auszeichnung, die es gibt. So viele Wettbewerbe gibt es nicht in dieser Sparte." Bernd Müller sieht sich gleichauf mit dem Geo-Fotografen Thomas Ernsting, der zweimal diesen Preis erhielt.

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Mal kurz ins Labor stiefeln, das Stativ und den Blitz aufstellen und mit der Kamera draufhalten - das ist es nicht. Bernd Müller muss erst einmal mit den Leuten reden, manchmal stundenlang. Bis er begriffen hat, woran die Forscher arbeiten und worauf es ankommt. "Immer geht es mir darum: Wie komme ich an die Persönlichkeit des Wissenschaftlers heran und an den Inhalt seiner Forschung?" Mindestens ein Tag vorbereitende Recherche verwendet der Fotograf auf die gewünschte Aufnahme. Nebenher prüft er auch die Örtlichkeit der Aufnahme, ihre Lichtverhältnisse, ihre Perspektiven.

Bernd Müller manipuliert seine Fotografien grundsätzlich nicht - obwohl er am Computer alle Möglichkeiten hätte. Er inszeniert und arrangiert, sodass nichts dem Zufall überlassen bleibt. Auf den Bildschirmen der Forscher müssen eben die passenden Messfelder aufleuchten. Und ein blasser Objektträger wird schon mal so abgeschattet, dass nur seine schwarze Kontur zu sehen ist.

Überhaupt das Licht, die Farben: Müller nützt alle Möglichkeiten der klassischen Fotografie, erzielt mit langen Belichtungen selbst in dunklen Labors gestochene Tiefenschärfe, bringt durch finales Zoomen eine Bewegungsunschärfe ins Bild, setzt mit gezieltem Licht Gesichter und Instrumente wirkungsvoll in Szene. "Ich brauche einige Versuche, bis alle Details stimmen", erzählt der Fotograf. "Anfangs konnten sich meine Kunden nicht vorstellen, dass ich für ein 6 x 6 Dia einen Tag gearbeitet habe. Aber das Ergebnis überzeugte sie noch immer." Und sie haben Gültigkeit über den Tag hinaus. Seine Fotos für Kalender der Fraunhofer-Gesellschaft aus verschiedenen Forschungsgebieten werden immer wieder verwendet.

Mit der Augsburger Ballerina nach Moskau gereist

Bernd Müller, der bald 49-jährige Saarländer mit einer Augsburger Mutter, in deren Heimatstadt er seit 1972 lebt, hat sein Handwerk im Fotostudio Kuhn von der Pike auf gelernt. Klassische Werbefotografie, Werksreportagen und Architektur waren seine Sujets. Eine Serie mit einer Augsburger Ballerina brachte ihn nach Moskau in eine fremde Welt und weckte seine Lust am Reisen. Allein für die "Cosmopolitan" hat er über 50 Reisereportagen fotografiert, seine Fotostrecke über eine Londoner Butlerschule wurde weltweit 20 Mal in Hochglanzmagazinen abgedruckt.

Seit 1991 widmet sich Müller der Wissenschaftsfotografie. Die Darstellung einer virtuellen Reise durch die menschliche Blutbahn am Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation brachte ihm schon 2003 einen 1. Preis ein. Optische Effekte bringt er genauso wirkungsvoll ins Bild wie stählerne Maschinen oder die neugierigen Genmäuse aus Martinsried.

Zwischendurch ist er immer wieder mal weg an exotischen Orten und bei spannenden Menschen irgendwo in der Welt.

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