Innenstadt Neugierig beugt sich Paula Print über den Rand einer tiefen Grube auf dem Gelände der Diako-Klinik. Unter ihr herrscht reges Treiben: Ein Mann steht da und zeichnet etwas auf einen Block. Weiter hinten kratzen andere vorsichtig Erde von etwas, das aussieht wie eine Vase. An einem Tisch mit vielen Plänen und Zeichnungen steht ein Mann, der sich mit anderen Arbeitern unterhält. "Der kann mir sicher sagen, was hier passiert", denkt sich Paula und ist auch schon auf dem Weg in die Grube.
Von Paula Print und Judith StruSSenberg
"Hallo", wird Paula gleich begrüßt. "Ich bin Günther Fleps, der Ausgrabungsleiter. Wenn du möchtest, zeige ich dir unsere Ausgrabung." Paula ist begeistert. "Das ist also eine Ausgrabung hier?" möchte sie wissen. "Ja", erklärt ihr Günther Fleps. "Wir machen eine archäologische Ausgrabung. Du weißt ja, dass Augsburg vor über 2000 Jahren von den Römern gegründet wurde. Wenn jetzt in der Stadt etwas gebaut wird, machen wir zuerst eine Ausgrabung, um die Spuren vergangener Zeiten vor der Zerstörung zu retten." Natürlich interessiert Paula brennend, was hier früher war. Wo heute das Diako ist, war zu Zeiten der Römer noch keine Stadt", erklärt Günther Fleps der wissbegierigen Ente. "Hier haben wir einen Friedhof und Gräben einer Wasserleitung gefunden." Paula kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, als sie über schmale Holzplanken gemeinsam durch die Ausgrabung laufen.
Skelett verursacht Gänsehaut
Sie schaut einer Mitarbeiterin über die Schulter, die gerade mit einem Pinsel Erde von einem Skelett entfernt. Huh, ein echtes Skelett! Und da drüben noch eins. Die Beigaben aus den Gräbern verraten den Archäologen, ob der Bestattete arm oder reich war. Münzen für die Reise in die Unterwelt sind ebenso dabei wie Speisen oder Getränke in teilweise kunstvollen Gefäßen. Anhand des Zustands der Zähne und der Größe der Knochen lassen sich auch Alter und Geschlecht des Bestatteten bestimmen. Die Skelette in der Ausgrabungsstätte sind jedenfalls steinalt.
Bei den Wassergräben ist Paula dann wieder ganz in ihrem Element. Dunkle Ränder zeigen noch heute, wo vor 2000 Jahren Wasser geflossen ist. Die Ente stellt sich vor, wie damals ihre Artgenossinnen hier herumgeschwommen sind.
"Werden hier auch Schätze gefunden?", fragt Paula neugierig. Der Ausgrabungsleiter lacht. "Nein, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, das Leben der Menschen von damals besser zu verstehen. Durch ein Fundstück sind wir zum Beispiel auf die Spur eines Verbrechens gekommen, das vor beinahe 2000 Jahren begangen wurde." "Wow!" Das will Paula ganz genau wissen. Günther Fleps zeigt ihr eine Börse aus Bronze, die wie ein Armreif am Arm getragen wurde. "Der komplizierte Öffnungsmechanismus lag innen und konnte nur mit einem langen spitzen Gegenstand geöffnet werden. Eigentlich eine sichere Sache, aber doch ist sie gestohlen worden", sagt er. Der Archäologe zeigt Paula die Spuren, die der Dieb hinterlassen hat, als er versucht hat, die Börse aufzuhebeln. "Er hat sie aufgebrochen und dann ganz schnell in den Wassergraben geworfen, damit man ihm nicht auf die Schliche kommt. Hier haben wir sie erst jetzt wiedergefunden."
Paula ist fasziniert. "Woher wissen Sie eigentlich, wie alt die Dinge hier sind", möchte sie wissen. Günther Fleps zeigt ihr eine kleine Silbermünze, auf die der Kopf des Kaisers Domitian eingeprägt ist. "Die Münze hat der Dieb in der Eile übersehen und in der Börse gelassen. Damit können wir sagen, dass der Diebstahl in der Zeit um das Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus stattgefunden hat. Bei anderen Funden hilft es zu wissen, in welcher Schicht die Funde lagen. Deswegen wird hier ganz genau festgehalten, wo was lag". Paula nickt. Klar, dass die Dinge, die in den oberen Erdschichten lagen, jünger sein müssen als die aus den tieferen Schichten.
Nur wenige Stücke werden ausgestellt
Eine Frage hat die kleine Ente aber doch noch. "Kommen die ausgegrabenen Sachen ins Museum?" "Nur ganz wenige davon", erklärt Günther Fleps. "Wir schreiben auf, wo was gefunden wurde und geben den Funden Nummern. Dann werden die Funde herausgenommen, gereinigt und mit der gleichen Nummer beschriftet, damit sie immer zugeordnet werden können. Anschließend kommen sie ins Magazin. Nur wenige Sachen werden später ausgestellt, die Börse hier allerdings ganz sicher."
Paula ist begeistert. Was für ein spannender Nachmittag, denkt sie sich. Bei Gelegenheit will sie im Römischen Museum vorbeischauen, um zu sehen, ob die Börse schon ausgestellt ist.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: