Dienstag, 12. Dezember 2017

16. März 2015 00:33 Uhr

Jazz

Aufregend anders

Das Trio Three Fall überrascht mit ungewöhnlicher Besetzung Von Eric Zwang Ericsson

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Mit Saxofon, Schlagzeug und Posaune interpretieren Three Fall die Musik der 90er Jahre neu.
Foto: Eric Zwang Ericsson

Jahrzehntelang war es im Jazz Usus, sich an der vorher gehenden Generation zu orientieren. Trendsetter wie John Coltrane wurden studiert, modifiziert und zum eigenen Stil deklariert, alte Standards wurden reproduziert, neue Stücke im Stile der großen Vorbilder komponiert. Doch das gehört der Vergangenheit an. Eine neue Generation jazzender Künstler präsentiert sich mit anderen Einflüssen, bricht respektlos mit Traditionen und überrascht nicht allein kompositorisch, sondern auch mit ungewöhnlichen Besetzungen. Three Fall gab am Freitag Abend im Rahmen der Konzertreihe „Live At The Jazzclub“ im Augustanasaal ein Beispiel.

Das von drei noch jungen deutschen Jazz-Musikern gegründete Trio darf getrost als herausragende Ausnahme-Erscheinung am Jazzhimmel gelten. So waghalsig die auf Harmonie-Instrumente und Bass verzichtende Besetzung, so großartig das Ergebnis, das es gute zwei Stunden lang präsentierte. Three Fall huldigten ihren Heroen, den Musikern der 90er Jahre. Und die heißen Rage Against The Machine oder Red Hot Chili Peppers, denen das Trio ihr komplettes zweites Album „On A Walkabout“ gewidmet hat.

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Was theoretisch noch plausibel klingt, rutscht spätestens durch Three Falls Instrumentierung ins Unfassbare. Denn die Gitarren-lastige Musik der genannten Vorbilder wurde hier mit Tenorsaxofon und Bassklarinette (Lutz Streun), mit Posaune (Til Schneider) und Schlagzeug (Sebastian Winne) regelrecht demontiert. Unter Zuhilfenahme einer ganzen Batterie an Effektgeräten mutierten „Can’t Stop“, „Under The Bridge“ oder „Killing In The Name Of“ zu expressionistischen Meisterwerken der blasenden Zunft, dargeboten von mit Leichtigkeit transportierter Virtuosität.

Nicht minder beeindruckend gaben sich die eigenen Werke des Trios. So erging sich „Bata“ in herrlichen Polyrhythmiken, während „Endless“ klang wie die Single-Auskoppelung eines aktuellen Chart-Albums und das Saxofon in „Chai“ mit Plopp- und Zischlauten kurzerhand den Part des Schlagzeugs übernahm. Ein Abend, der allein durch seine ungewöhnlichen Darbietungen noch lange unvergessen bleiben wird.

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