Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten

Christopher Street Day: Augsburg: 2000 Menschen feiern mit Limahl den CSD

Christopher Street Day

Augsburg: 2000 Menschen feiern mit Limahl den CSD

  • |
  • |
  • |
    Limahl trat in Augsburg auf. Bild: Anne Wall
    Limahl trat in Augsburg auf. Bild: Anne Wall

    Mann geht Hand in Hand mit Mann, Frau küsst Frau: Was im Augsburger Straßenbild sonst eine Seltenheit ist, kam am Samstag auf dem Rathausplatz häufiger vor als sonst. Zum "Christopher Street Day" (CSD), dem jährlichen Straßenfest von Schwulen und Lesben, kamen heuer schätzungsweise insgesamt mehr als 2000 Menschen - so viele wie noch nie.

    "Eigentlich nix Besonderes hier, oder?", fragt Ulrich und wirft einen Blick in die Runde. Es ist Samstagnachmittag, und Ulrich steht mit ein paar schwulen Bekannten auf dem Rathausplatz um einen Stehtisch beim Bier. Der " Mister Bavarian Leather", ein Herr in schwarzer Lederhose, marschiert gerade zur Bühne, aber solche Paradiesvögel sind die Ausnahme.

    Bürgermeister Peter Grab, der den Schirmherrn und OB Kurt Gribl (CSU) urlaubshalber vertritt, wünscht in seinem Grußwort "Begegnungen ohne Scheuklappen", die Reden der anderen Politiker der Parteien hören sich so ähnlich an. Am Vormittag haben die Linken eine eigene Demonstration zum CSD abgehalten.

    Schwule und Lesben scheinen immer weiter in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. "Die 18-Jährigen von heute haben es einfacher als wir vor 30 Jahren", sagt auch Ulrich. Sie würden sich mehr trauen und könnten sich auch mehr trauen.

    Christina (32) und Melanie (37) gehören einer anderen Generation an. Arm in Arm in der Öffentlichkeit - warum nicht? "Je lockerer ich damit umgehe, desto lockerer geht auch die Umwelt damit um", sagen sie. Probleme hätten sie bisher keine gehabt - auch nicht auf dem Land, wo sie wohnen.

    Aber dann kommt doch die Einschränkung. Eine von ihnen hat einen kirchlichen Arbeitgeber, der sollte lieber von nichts wissen. Und auch aus der Männerrunde kommt der Hinweis, dass es so einfach nicht sei. "Wenn sich zwei 18-Jährige küssen, dann nimmt man das inzwischen hin, aber bei 60-Jährigen gäbe es schräge Blicke."

    Die Szene der Schwulen und Lesben in Augsburg scheint überschaubar. Statistisch müssten mehrere tausend Augsburger das gleiche Geschlecht lieben. Ab und zu öffnen Discos ihre Türen für Gay-and-Lesbian-Partys, ansonsten, so erzählt Engelbert aus der Herrenrunde am Biertisch, fahren viele nach München in die Szenekneipen. Und dann sei da noch das Internet, das Kontaktbörsen bietet.

    CSD-Vorstand Sven Häberle, bekannt als Moderator bei Radio Fantasy, sagt, dass sich vieles geändert habe. "Die Gesellschaft ist toleranter geworden, aber so etwas kann jederzeit wieder kippen. Darum ist es wichtig, regelmäßig Flagge zu zeigen." Zudem gebe es Berufe, wo die Betroffenen Probleme haben, sich zu outen, etwa als Polizist oder Lehrer.

    Auch für Ulrich und Engelbert müsste es noch weitergehen. "Man toleriert das irgendwie, aber echte Akzeptanz sieht anders aus." Vielfach würden Schwule und Lesben auf ihre Sexualität reduziert. "Aber das ist doch bloß ein Aspekt eines Menschen." Von Stefan Krog

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden