Samstag, 26. Juli 2014

20. Juni 2014 11:35 Uhr

Denkmalschutz missachtet

Augsburg: Brauerei Riegele soll hohes Bußgeld zahlen

Sebastian Priller, Chef des Brauhauses Riegele, muss tief in die Tasche greifen. Die Stadt Augsburg fordert nämlich von der Brauerei ein Bußgeld von mehreren Hunderttausend Euro. Von Eva Maria Knab

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Sebastian Priller, Chef des Brauhauses Riegele.

Die Stadt Augsburg fordert von der Brauerei Riegele ein Bußgeld von mehreren Hunderttausend Euro. Grund ist ein Verstoß gegen den Denkmalschutz.

Wenn sich ein Bauherr nicht um Augsburgs römische Geschichte kümmert, kann das richtig teuer werden. Diese Erfahrung muss der Chef des Brauhauses Riegele, Sebastian Priller, machen. Weil er ohne Genehmigung des Denkmalschutzes Erdarbeiten auf dem Firmengelände an der Frölichstraße hatte vornehmen lassen, verhängte die Stadt nun ein hohes Bußgeld gegen die Brauerei. In einem weiteren Bescheid wird Priller auch noch persönlich zur Kasse gebeten.

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Insgesamt dürfte das Bußgeld in die Hunderttausende gehen. Die konkrete Summe wollte Priller auf Anfrage nicht nennen. Er bestätigte aber, dass die Brauerei einen sechsstelligen Betrag zahlen soll. Er selbst bekam als persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter noch einen weiteren Bescheid in fünfstelliger Höhe zugestellt.

Hintergrund ist, dass die Archäologen auf dem Firmengelände an der Frölichstraße wichtige Funde für die Stadtgeschichte vermuten. In solchen Fällen gilt das Denkmalschutzgesetz. Bauherren brauchen eine Erlaubnis, wenn sie in einem Grundstück graben lassen, in dem möglicherweise Bodendenkmäler zu finden sind.

Genau diese Erlaubnis hatte die Brauerei nicht eingeholt, als sie Ende vorigen Jahres eine neue Lagerfläche für Leergut ohne vorherige archäologische Untersuchung anlegen wollte. Deshalb wurden von der Stadt im Dezember die bereits laufenden Bauarbeiten eingestellt (wir berichteten). Seitdem läuft das Bußgeldverfahren. Und mit dem Ergebnis ist der Brauereichef alles andere als einverstanden. Die Forderungen der Stadt seien "extrem überzogen", findet Priller. Sie ständen in keinem Verhältnis zur Bausumme von rund 30 000 Euro. "Ich habe den Eindruck, hier soll ein Exempel statuiert werden."

Priller macht geltend, dass die Arbeiten für den neuen Lagerplatz unter einem starken Zeitdruck standen. Sei seien kurz vor dem Frost und wegen akuter Platzprobleme erfolgt. Als Unternehmen befinde sich die Brauerei in einem harten Wettbewerb. Er sei zusammen mit den Architekten davon ausgegangen, dass der Erdaushub und die Pflasterung genehmigungsfrei seien, so Priller. "An die Archäologie hat niemand gedacht." Bei früheren Bauvorhaben, etwa für einen Keller auf dem Firmengelände, seien die Archäologen durchaus eingeschaltet gewesen, betont der Brauereichef.

"Rund um den neuen Lagerplatz ist aber nichts gefunden worden." Allerdings hätte Priller wissen können, dass es Probleme mit dem Denkmalschutz geben könnte. Denn gleich in der Nähe von Riegele liegt eine Ausgrabungsstätte beim Diakonissenkrankenhaus.

Die Archäologen zählen sie derzeit zu den wichtigsten in Süddeutschland. Über die spektakulären Funde auf dem ehemaligen römischen Friedhof wurde öfter in den Medien berichtet. Experten vermuten, dass sich das Bodendenkmal bis ins Gelände der Brauerei erstreckt.

Der städtische Baureferent Gerd Merkle und seine Mitarbeiter wollen zum Bußgeld für Riegele öffentlich nichts sagen. Sie verweisen auf den Datenschutz. Heimatpfleger Eberhard Hilbich spricht jedoch von einem "sehr massiven Fall", in dem Bodenuntersuchungen umgangen wurden. An etwas Vergleichbares könne er sich in den vergangenen Jahren nicht erinnern. Für Augsburgs Stadtgeschichte seien die Funde auf dem früheren römischen Gräberfeld enorm wichtig.

Der Heimatpfleger geht davon aus, dass ein Grundeigentümer auf diesem geschichtsträchtigen Boden um die Brisanz von Bodendenkmälern weiß. "Ich bedauere, dass einem so bekannten und so erfolgreichen Augsburger Bürger ein solcher Fehler unterlaufen ist", so Hilbich. Priller gilt nicht nur als renommierter Unternehmer, er ist auch Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer für Schwaben.

Priller hat inzwischen Widerspruch gegen das städtische Bußgeld eingelegt. Und nach dem Baustopp wurde nun ordnungsgemäß ein Bauantrag für den neuen Lagerplatz eingereicht. Nach Einschätzung von Fachleuten dürfte Riegele demnächst die Genehmigung für die Pflasterung bekommen. Zeugnisse der alten Römer, falls dort welche gab, gelten jedoch durch den ungenehmigten Erdaushub als unwiederbringlich verloren. Eva Maria Knab

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