Premierenfahrt: 8000 Besucher haben auf dem Tram-Betriebshof in der Baumgartnerstraße in Augsburg das neue Straßenbahn-Modell "CityFlex" bestaunt. Von Christian Mühlhause



Dicht gedrängt stehen die Menschen in Vierer- und Fünferreihen hintereinander. Sie alle sind zum Tram-Betriebshof in der Baumgartnerstraße gekommen, um eine Runde mit dem neuen Straßenbahn-Modell "CityFlex" zu fahren.
Wer Glück hat, ergattert einen Sitzplatz, die anderen Mitreisenden stehen dicht gedrängt nebeneinander. Einigen Fahrgästen ist die Enge dann doch zu viel. Sie beschließen, die neue Straßenbahn doch lieber erst in den kommenden Tagen zu testen, wenn sie im Linienbetrieb unterwegs ist, und steigen wieder aus.
Für jene die geblieben sind, gibt ein Kinderanimateur mit seinem roten Tuch das Startsignal. Dann geht die Fahrt los. Vorbei am Roten Tor geht es die Eserwallstraße hinauf und anschließend zügig die Konrad-Adenauer-Allee entlang zum Königsplatz. Über den Moritzplatz und die Maxstraße geht es zurück zum Straßenbahndepot. Nach 15 Minuten ist die Probefahrt vorbei.
15 Minuten Probefahrt begeistert
Den Besuchern hat es gefallen, sie applaudieren und steigen zufrieden aus. Darunter auch die Familie Rubner. Sohn Vincent, Vater Stefan und der Opa Ludwig Luger "Sie liegt gut auf der Straße und hat ein angenehm ruhiges Fahrverhalten.
Zu den alten Modellen merkt man natürlich enorme Unterschiede, zur Combino-Reihe nicht unbedingt", sagt Stefan Rubner. "Schön" fand auch sein Sohn die Tour. Zu diesem Ergebnis kommt auch der achtjährige Andi Weber. "Ich fahre öfter mit Bussen und Straßenbahnen, das macht mir viel Spaß", sagt er.
Die Vorstellung des neuen Fahrzeugmodells hat Volksfestcharakter. Dabei ist stets klar, wer an diesem Samstagnachmittag der Star ist. Nicht nur bei den Probefahrten herrscht Andrang.
Auch in der Halle tummeln sich viele Interessenten um die ausgestellte "CityFlex". Die Stadtwerke setzen diese mit zahlreichen Strahlern ins richtige Licht und haben links und rechts der Tram einen roten Teppich verlegt. Drumherum und darin blitzt es immer wieder. Viele Gäste halten den Besuch in Bildern fest, so auch Werner Miller aus Friedberg. Nach der Besichtigung der Tram widmet er sich den Informationstafeln.
"Die Technik hat sich enorm weiterentwickelt"
Es sei "enorm", wie sich die Technik weiterentwickelt hat, sagt er. Bereits seit 1945 verfolge er die Geschichte der Straßenbahn. "Nach dem Krieg sind wir mit der Eisen-, dann mit der Straßenbahn nach Augsburg in die Schule gefahren. Damals wackelten die Anhänger dermaßen, dass einem schlecht wurde und der Fahrer hatte im Winter Pelzstiefel an, um sich gegen die Kälte zu schützen. Da ist es heute um Welten besser." Bislang fährt er noch 90 Prozent seiner Wege mit dem Auto.
Wenn die Linie 6 nach Friedberg fertig ist, wird sich dies vielleicht ändern. "Die Probefahrt hat mich überzeugt. Man fühlt sich wie in einem ICE und es ist stressfreier als mit dem Auto." Über den Zuspruch ist auch Dorothee Schäfer erfreut und etwas erstaunt. Die Abteilungsleiterin der Verkehrsbetriebe ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. "Wir wissen zwar, dass die Straßenbahn bei den Augsburgern sehr beliebt ist, aber von dem Ansturm sind wir schon etwas überrascht." Auf etwa 8000 schätzt sie die Besucherzahl. Von Christian Mühlhause
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