Droht jetzt dem Augsburger Weltbild-Verlag die Zerschlagung? Die Mitarbeiter richten einen flammenden Appell an die Bischöfe. Von Thomas Faulhaber Von Thomas Faulhaber

Von Thomas Faulhaber
Augsburg. Es wird immer schlimmer. Nicht nur die 2500 Mitarbeiter des PC-Herstellers Fujitsu Siemens Computers bangen um ihre Zukunft. Gestern demonstrierten rund 1000 Osram-Mitarbeiter, weil 500 der 2200 Jobs abgebaut werden sollen. Und nun kracht's auch beim Weltbild-Verlag, der verkauft werden soll.
Nach AZ-Informationen gibt es noch fünf mögliche Kaufinteressenten. Nun laufen Betriebsrat und Gewerkschaft Sturm. Sie fürchten eine Zerschlagung des Standortes mit 1900 Mitarbeitern. "Das kann schlimm werden", sagt Verdi-Fachbereichsleiter Berthold Schleidt.
Bislang keine Garantie
An die "hochwürdigsten Herren Bischöfe", richtet sich ein flammender Appell der Mitarbeiter. Denn 14 Diözesen sind die Besitzer der Verlagsgruppe, darunter auch Augsburg. Betriebsrat und Gewerkschaft schlagen Alarm, weil ihnen die Geschäftsleitung bisher keine Garantie für den Standort abgeben konnte. "Auch den Erhalt der Arbeitsplätze konnte uns niemand garantieren", so Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz zur AZ.
Schleidt bringt es so auf den Punkt: "Durch einen Verkauf an einen Mitbewerber droht im Bereich Verwaltung und Logistik ein massiver Jobabbau. Hier sind über 800 Mitarbeiter beschäftigt." Schleidt nimmt das Wort "Zerschlagung des Betriebes" in den Mund. Dies stünde im Raum, wenn der neue Eigentümer nur die lukrativsten Teile der Gruppe weiterführt.
Appelliert wird an die Bischöfe, "ihre ethische und christliche Verantwortung nicht der Höhe des möglichen Erlöses zu opfern". Nach Informationen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beträgt die mögliche Kaufsumme wesentlich mehr als angenommen. Statt von 500 Millionen sei von bis zu 1,5 Milliarden Euro die Rede. Der Konzerngewinn betrug zuletzt 100 Millionen Euro. Heute startet eine Unterschriftenaktion im Betrieb. Firmen wie Bertelsmann, Thalia, Hugendubel und Holtzbrinck werden als mögliche Käufer gehandelt.
Aufsichtsratschef und Finanzdirektor der Diözese Augsburg, Klaus Donaubauer, hatte zuletzt betont, Jobs seien nicht in Gefahr. Am Mittwoch war er nicht zu sprechen. Auch der Vorsitzende der Geschäftsführung von Weltbild, Carel Halff, schloss bislang eine "Zerschlagung" aus. Doch ansonsten seien alle Optionen offen, hieß es.
Bei Weltbild gibt man sich, was den Verkauf betrifft, weiter verschwiegen. Sprecherin Eva Großkinsky: "Ich kann bestätigen, dass fünf Unternehmen in der Finalrunde sind." Das Ganze sei sehr komplex. Die Interessen der Mitarbeiter würden aber berücksichtigt.
Bei den Gründen für den Verkauf gehen Insider gehen davon aus, dass der Konzern mit einem Umsatz von jährlich fast zwei Milliarden Euro zu stark gewachsen ist. Umsatzbringer im Buchhandel wie Erotik, Esoterik und kirchenfeindliche Thriller à la "Sakrileg" stoßen intern auf zunehmende Kritik. Der Weltbildverkauf würde auch die finanziell angespannten Diözesen entlasten.
Für Unruhe im Betrieb sorgt die Sorge, Halff, der das Unternehmen groß gemacht hat, könnte die Verlagsgruppe verlassen. Er sei Aufsichtsrat bei Ravensburger Spiele geworden, so die Betriebsräte Visnja Bernhard und Josef Trutt. Nun fürchte man, dass der hoch angesehene Manager, der für die regionale Verwurzelung der Gruppe steht und einen hohen Identifikationswert besitzt, abspringen könnte.
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