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Selbständig statt arbeitslos: Augsburg: So wichtig sind Migranten für die regionale Wirtschaft

Selbständig statt arbeitslos

Augsburg: So wichtig sind Migranten für die regionale Wirtschaft

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    Johann Fuchs kam 1989 aus Kasachstan nach Deutschland und betreibt in Lechhausen eine KfZ-Werkstatt.
    Johann Fuchs kam 1989 aus Kasachstan nach Deutschland und betreibt in Lechhausen eine KfZ-Werkstatt. Foto: Foto: Alexander Kaya

    Kommen die Wörter Migrant und Wirtschaft zusammen, geht es meist um Probleme wie Sprach- und Bildungsdefizite. Davon, dass Migranten auch Arbeitgeber sind und ihre Firmen bundesweit etwa 35 Milliarden Euro erwirtschaften, ist hingegen selten die Rede.

    Ein Migrant, der den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat, ist Johann Fuchs. Er betreibt eine KfZ-Werkstatt in Lechhausen. 1989 kam er aus Kasachstan in die Bundesrepublik. „Ich habe nach meiner Ankunft festgestellt, dass Firmen Migranten mit Zurückhaltung begegnen und es dauert, bis ein Vertrauensverhältnis entstanden ist“, sagt er.

    Weil seine Ausbildung in der Sowjetunion hier nur teilweise anerkannt wurde, entschloss er sich, noch einmal einen Meisterkurs zu belegen und übernahm 1997 einen KfZ-Betrieb. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich ernst genommen werde, deswegen habe ich Zeit und Geld investiert und den Meister gemacht“, erinnert er sich.

    Fuchs ist kein Einzelfall. Das hat Önder Kurt festgestellt. Der Wirtschaftswissenschaftler beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit mit dem Thema Migrantenökonomie. Erste Ergebnisse präsentierte er auf Einladung des Existenzgründers und Unternehmervereins (EXUV) in Augsburg. „Es ist ein junges und bislang wenig erforschtes Thema“, erklärt Kurt.

    Die Zahl Selbstständiger mit türkischem Hintergrund zum Beispiel weise eine Wachstumsrate um die neun Prozent auf, berichtete Kurt. „Die Zahl beruht aber teilweise auch auf dem Mangel an Alternativen, weswegen Menschen mit Migrationshintergrund diesen Schritt spontaner und in jüngeren Jahren wagen, aber oft auch schlechter vorbereitet sind“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Dabei seien es mit nichten nur die Dönerbuden, die eröffnet werden, wie gern unterstellt werde. „Es arbeiten etwa 15 Prozent in der Gastronomie“, so der Experte. Ein Drittel der türkischstämmigen Unternehmer ist demnach im Dienstleistungssektor tätig und ein weiteres Drittel im Handel.

    Mehr Weiterbildung

    Aus- und Weiterbildung werden von Migranten deutlich seltener angeboten und genutzt, berichtet Önder Kurt weiter. „Umfragen haben ergeben, dass der Wunsch besteht, es müssten also entsprechende Angebote geschaffen und kommuniziert werden. Es gibt bei der IHK gute Konzepte, aber sie sind nicht bekannt.“ Die IHK Schwaben hat kürzlich mit einem Kurs für Selbstständige und Fach- und Führungskräfte darauf reagiert. 50 Teilnehmer aus 14 Nationen absolvierten eine Prüfung zur Ausbildereignung. Inhalte sind unter anderem Methodik, Didaktik und der Umgang mit Jugendlichen.

    Auch der KfZ-Mechaniker Fuchs hat sich damals fortgebildet. Er bewertet die Schulungen zur Lehrlingsausbildung besonders positiv. Da habe er „viel gelernt“. Die deutsche Bürokratie hat ihn allerdings in der Anfangszeit gestört, weil ständig weitere Nachweise gefordert wurden. Im Nachhinein sei das Verfahren aber richtig, „um schwarze Schafe auszusortieren“, so Fuchs.

    Heute bildet der Unternehmer selbst aus – auch Zuwanderer. „Ein ehemaliger Lehrling von mir galt mit 16 Jahren als hoffnungsloser Problemfall. Heute ist er auch Meister. Man muss die Leute begleiten und fordern“, erklärt er, der selbst in der Landsmannschaft der Russlanddeutschen aktiv ist, sein Erfolgsrezept.

    Familie wird mit eingespannt

    Der Wissenschaftler Kurt hat bei von Migranten geführten Unternehmen zwei wesentliche Unterschiede zu deutschen Inhabern ausgemacht. Zum einen sei die Familie deutlich stärker eingespannt und zum anderen werde viel kopiert. „Sie sehen, dass es bei Landsleuten funktioniert, und machen es nach.“ Diese Tendenz sei aber nicht unproblematisch. „Die Leute bleiben in den jeweiligen Nischen, wo nur ein bestimmter Umsatz generierbar ist. So wird der Anteil am Kuchen immer kleiner.“

    Nur grobe Schätzungen

    Wie viele Migranten in der Region Augsburg selbstständig sind, darüber gibt es keine genauen Zahlen. „Wir haben versucht, es zu ermitteln, es ist aber nicht mehr als eine grobe Annäherung geworden“, sagt Peter Lindner von der Industrie und Handelskammer (IHK). Demnach sind von 120 000 Mitgliedern etwa 1400 Inhaber Türken und 300 Griechen. Auch bei der Handwerkskammer liegen keine Zahlen vor. Die Ethnie werde in der Handwerksrolle nicht erfasst, so Pressesprecherin Monika Treutler-Walle.

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