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07. November 2011 17:32 Uhr

Trauerfeier im Dom

Augsburg verabschiedet sich von Mathias Vieth

Im Dom versammelten sich im Gedenken an den ermordeten Polizeibeamten rund 1900 Menschen. Auch dessen Frau und Söhne waren dabei. Polizisten reisten aus ganz Deutschland an. Von Jörg Heinzle und Simon Karrer

Hunderte Kilometer sind sie gefahren, um ihrem ermordeten Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Einen Kranz haben die Berliner Polizeibeamten Michael Merkle und Thomas Drechsler mitgebracht. Sie legen ihn im Dom nieder, unter einem Bild, das Mathias Vieth zeigt. Vieth trägt darauf seine Uniform und lächelt. Es ist ein zurückhaltendes, glückliches Lächeln. „Es ist nicht zu fassen, dass sein Leben so brutal ausgelöscht wurde“, sagt Michael Merkle. „Auch bei uns in Berlin sind die Kollegen traurig.“

Rund 1900 Menschen haben gestern Nachmittag bei einem Trauergottesdienst im Dom Abschied genommen von Mathias Vieth. Seine Ehefrau ist dabei, ebenso seine beiden Söhne, 13 und 17 Jahre alt. Sie erleben, wie hunderte Kollegen aus ganz Deutschland trauern. Viele Politiker sind gekommen, aber auch viele Augsburger, die den Polizeihauptmeister nicht kannten und trotzdem tief betroffen sind.

Franz Walter hat 40 Jahre lang bei der Polizei gearbeitet. Jetzt ist er im Ruhestand, doch in Gedanken ist er in diesen Tagen ständig bei seinen Kollegen. „Mich hat der Mord sehr getroffen“, sagt Walter. „Streifenpolizist ist ein gefährlicher Job, da ist man direkt an der Front.“ Die Augsburgerin Erika Lörintz besucht mit einer Freundin die Feier. „Ich bin sehr traurig, dass so etwas passiert ist“, sagt sie. „Vor allem für die Familie ist es schrecklich.“

Es fällt schwer

Für Augsburgs Polizeipräsidenten Gerhard Schlögl ist es der zweite öffentliche Auftritt nach dem Mord. Wenige Stunden nach der Tat musste er auf einer Pressekonferenz Rede und Antwort stehen. Nun, zehn Tage später, fällt es ihm immer noch schwer, über das Verbrechen zu sprechen. „Ich ringe um jedes Wort“, sagt Schlögl, an die Familie von Mathias Vieth gerichtet. „Ich weiß, dass nichts Ihnen den Schmerz nehmen kann.“ Der Polizeipräsident ist beeindruckt von der Anteilnahme, welche die Augsburger Polizei nach der Tat erlebte. Vielleicht sei das der Familie ein kleiner Trost.

Die Kollegen aus Mathias Vieths Revier sitzen beieinander, im Chorraum des Doms. Sie sind eng zusammengerückt in den Tagen nach dem Mord. „Wir wissen jetzt, was wir aneinander haben“, sagt Bernhard Pfliefke, der Chef der Polizeiinspektion Süd. Hier arbeitete der 41-Jährige seit rund drei Jahren, zuvor war er über ein Jahrzehnt lang für die inzwischen aufgelöste Inspektion in Haunstetten Streife gefahren.

Als „hilfsbereit, bescheiden und sympathisch“ beschreibt Innenminister Joachim Herrmann den ermordeten Beamten. Herrmann war in der vorigen Woche auch bei der Beerdigung. „Ich selbst habe Mathias Vieth leider nicht kennenlernen dürfen“, sagt er. „Aber alle, mit denen ich rede, sagen mir, dass er gerade für die jüngeren Kollegen ein wichtiger Mentor war, ein Vorbild.“ Auch Bischof Konrad Zdarsa versucht, die Familie zu trösten. Nichts könne die Menschen von der Liebe Gottes trennen, sagt er, „möge es noch so heimtückisch und brutal daherkommen.“

Dieter Stephany bleibt vor dem Dom. Er will in aller Ruhe gedenken. „Ich kenne den Vater des Verstorbenen gut“, erzählt er. „Am Vorabend des Mordes bin ich mit ihm noch glücklich zusammen gesessen.“ Nur Stunden später kam die schlimme Nachricht. Auch Polizistin Nina Loibl kann es noch immer nicht fassen. Sie ist in der Polizeigewerkschaft engagiert, beschäftigt sich mit der wachsenden Gewalt gegen Polizisten. Doch ein Mord an einem Kollegen schien unvorstellbar. Es wird lange dauern, glaubt sie, bis die Polizei in Augsburg wieder zur Normalität zurückkehren kann.

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