Die spektakulärste Aussicht über Augsburg hatte gestern der zwölfjährige Stefan-Maximilian Zaum. 86,5 Meter über dem Erdboden steht Stefan auf der Aussichtsplattform des Gaskessels in Oberhausen, der Wind weht die dunkelblonden Haare in sein Gesicht. 392 Stufen liegen hinter ihm - doch die Mühe hat sich gelohnt. Der Teenager steht auf dem höchsten begehbaren Punkt der Stadt, genießt den Höhepunkt des Gaswerksommers und weiß trotz seines jungen Alters: "Das Gaswerk ist kein Hobby, das Gaswerk ist mein Leben."



Von ihm stammt das Modell des Scheibengasbehälters im Maßstab 1: 156, das in der Elektrozentrale hinter einer Glaswand steht. Über 60 Gasbehälter hat der Zwölfjährige gebastelt. Viele davon sind nur wenige Zentimeter groß, das Modell des Scheibengasbehälters misst einen halben Meter. Es findet seinen Platz neben historischen Utensilien, die die Ausstellung in der ehemaligen Elektrozentrale komplettieren. "Es ist interessant zu sehen, wie unsere Großeltern ihren Alltag bewältigt haben", sagt Stephan Scheidler, sein Blick schweift über ein altes Bügeleisen aus den 50er Jahren.
Bis zu eine Stunde Wartezeit
Den Aufstieg auf den Gaskessel, einen Scheibengasbehälter, der bis 2001 in Betrieb war, wird Scheidler nachholen. Mit bis zu einer Stunde Wartezeit war die Begehung des Kessels auf dem 18 Hektar großen Areal "die unangefochtene Nummer eins der Attraktionen", so Oliver Frühschütz, Vorsitzender der Gaswerksfreunde Augsburg, der gerade eine Gruppe von 19 Teilnehmern aufstellt, deren Blicke sich gespannt nach oben richten.
Dort stehen, in 50 Meter Höhe, Johannes Baumgartner und Axel Janssen auf den schmalen Gitterstufen. Ihre Hände greifen das raue Stahlgeländer, Schritt um Schritt geht es weiter nach oben. "So habe ich meine Stadt noch nie gesehen", sagt Janssen nach weiteren 30 Metern. Die Wahrzeichen Augsburgs breiten sich vor seinen Augen aus. "Und wie grün Augsburg ist", staunt Hartwig Mayerhoffer. Ein weiterer Besucher, der jetzt, wie Stefan, die erste der 392 Stufen zum Abstieg nimmt.
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