Donnerstag, 14. Dezember 2017

11. April 2017 14:04 Uhr

Ein Jahr Bompeln

Augsburger Bodenampeln finden weltweit Nachahmer

Vor einem Jahr sorgten die "Bompeln" in Augsburg, die Smartphone-Nutzer vor Straßenbahnen warnen sollen, für Aufmerksamkeit. Inzwischen haben viele Ländern solche Bodenampeln.

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Augsburg ist ja nicht unbedingt bekannt dafür, eine Stadt zu sein, deren technische Innovationen in der ganzen Welt Nachahmer finden. Eine gibt es aber: die Bompel - eine Bodenampel, die Smartphone-Nutzer per LED-Leuchte vor dem Verkehr warnt.

Vor einem Jahr installierten die Augsburger Stadtwerke die Bodenampeln zunächst an der Haltestelle Haunstetter Straße und am Überweg in der Von-Parseval-Straße. Die LED-Leuchten waren vor allem für Smartphone-Nutzer gedacht, die nur auf den Bildschirm starren und nicht merken, wenn sich eine Straßenbahn nähert. Aufgrund der vielen Schüler und Studenten, die an diesen Haltestellen ein- und aussteigen, gehe es dort zudem oft besonders hektisch zu, lautete die Begründung der Stadtwerke.

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Zwar gab es ein ähnliches Projekt bereits 2010 in Frankfurt am Main, das fand aber damals kaum Aufmerksameit. Erst von Augsburg aus starteten die Bompeln ihren Triumphzug in die weite Welt. Zunächst war da ein riesiges Medienecho: Nicht nur die großen deutschen Medienhäuser berichteten, sondern Zeitungen auf allen Kontinenten. Jürgen Fergg, Pressesprecher der Stadtwerke Augsburg, erinnert sich: "Die Washington Post hat über uns geschrieben, ebenso Japans größte Tageszeitung und auch Zeitungen aus Südamerika, Mexiko, Australien. Das Thema ging wirklich um die Welt."

Nicht nur Zeitungen begeisterten sich für die Bodenampeln. Viele Städte fragten bei den Stadtwerken nach technischen Details, weil auch sie die Bodenampeln einführen wollten. "Es gab Anfragen aus Sydney, Melbourne, São Paulo und aus Georgien", sagt Fergg.

Bompeln in Australien, Spanien, Argentinien

Inzwischen gibt es die LED-Leuchten im Bordstein längst nicht mehr nur in Augsburg. Köln führte die Bodenampeln an Bahn-Haltestellen ebenfalls im April 2016 ein. Auch dort beginnen sie zu blinken, sobald sich eine Straßenbahn nähert. Kurz darauf zog Sydney nach und gab bekannt, dass die deutsche Erfindung noch im selben Jahr auch in Australien eingeführt werden soll. Duncan Gay, der Straßenminister des australischen Bundesstaats New South Wales, sagte: "Ich wollte diese Technologie zunächst nicht installieren, nur weil manche Menschen nicht in der Lage sind, ihre Augen vom Bildschirm zu lösen, wenn sie über die Straße gehen. Aber wenn diese Lampen nur ein Leben retten können, mache ich es."

Weitere europäische Staaten beschlossen die Einführung der Bodenampeln nach Augsburger Vorbild. Die spanische 90.000-Einwohner-Stadt San Cugat del Vallès in der Provinz Barcelona, installierte die Bompeln zunächst auf nur einem ihrer zentralen Plätze. Es sei jedoch denkbar, dass die LED-Lampen auch an anderen Stellen angebracht werden.

Lichtstreifen warnen Fußgänger in den Niederlanden

Im Gegensatz zu Deutschland, Australien und Spanien führte die Kleinstadt Bodegraven-Reeuwijk die Bompeln nicht entlang von Straßenbahn-Schienen, sondern als zusätzliche Ampel an Straßenkreuzungen ein. "Lichtlijn" heißen die Bompeln dort, Lichtlinie auf Deutsch. Und genau das sind sie: in den Boden integrierte Leuchtstreifen, die an die Ampeln gekoppelt sind. "Auch Menschen, die nach unten schauen, können dadurch erkennen, ob sie die Straße überqueren können", schreibt die niederländische Zeitung De Telegraaf.

Vor Kurzem führte die australische Metropole Melbourne ähnliche Bodenampeln ein. Und auch in Rosario, der drittgrößten Stadt in Argentinien, sollen als Reaktion auf die vielen Verkehrsunfälle mit Fußgängern im vergangenen Jahr schon bald Bodenampeln installiert werden.

Augsburger Bompel-Bilanz nach einem Jahr

Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg ist nach einem Jahr Bompel-Einsatz zufrieden: "Die Anzahl der gefährlichen Situationen an den beiden Haltestellen hat sich reduziert, seit wir die Bodenampel dort installiert haben. Unfälle gab es seitdem keine." Ob das tatsächlich nur an den LED-Leuchten liegt, kann und will er aber nicht sagen. Dazu sei eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts nötig gewesen. Fergg sagt: "Die Leuchten sollen die Aufmerksamkeit erhöhen und das funktioniert offensichtlich. Viele Leute gehen zwar weiterhin bei rot über die Ampel, aber sie schauen immerhin, ob eine Bahn kommt."

Trotz der positiven Erfahrungen an der Haunstetter und der Von-Parseval-Straße seien vorerst keine weiteren Bompeln in Augsburg geplant.

Vor einem Jahr stellten wir die Bompeln im Video vor:

Die Stadtwerke Augsburg haben zunächst an zwei Straßenbahn-Haltestellen Bodenampeln installiert - so soll es vor allem für abgelenkte Handynutzer mehr Sicherheit geben !

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Nach 29 toten Fußgängern - Sydney will Augsburger "Bompeln" testen 

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