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08. März 2010 22:25 Uhr

Aus der Kanzlei auf die Opernbühne

"Gott, welch' Dunkel hier", singt der Mann mit leiser, aber eindringlicher Stimme. Er liegt, nur mit Fetzen bekleidet und angekettet, in einem dunklen Verlies. Es ist Florestan, der Mann, der in Beethovens Oper "Fidelio" von seiner Gattin Leonore in letzter Minute vor dem Tod gerettet wird. Von Lilo Murr

Der dramatische Heldentenor Wolfgang Schwaninger singt die Rolle und kann jedes Mal am Vorstellungsende im Theater Augsburg mit viel Applaus rechnen. Für den 44-Jährigen ist Florestan der Inbegriff des Opfers von Willkür und Unmenschlichkeit, jemand, der von seinem politischen Gegner still und heimlich ermordet werden soll. Und, so Schwaninger, eine Nagelprobe für dramatische Tenöre. Die er jedes Mal glänzend besteht.

Der Florestan ist nur eine von vielen Rollen, die der Tenor "auf der Pfanne hat". Im Moment singt er in Gießen den Hoffmann in Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" und in Münster den Alwa in Bergs "Lulu". Immer auf Reisen, immer auf dem Sprung, immer wieder in neuen Häusern und auf unbekannten Bühnen. Ein anstrengendes Leben, wie er zugibt, aber auch ein sehr erfülltes.

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Schwaninger weiß, wovon er spricht. Eigentlich hat er Jura studiert mit Schwerpunkt Erbrecht. Ein halbes Jahr hat er es in einer Kanzlei ausgehalten, doch zufrieden war er nicht. Er wollte auf die Bühne, mit seiner Stimme berührende Geschichten erzählen. "Ich hab mit 23 Jahren angefangen, Gesang zu studieren, das ist eigentlich spät." Doch seine Begabung war derart überzeugend, dass er im Mai 1995 sein Examen machte und bereits im Juli einen Vertrag für das Theater in Meiningen in der Tasche hatte.

1997 rief München, genauer gesagt das Gärtnerplatztheater. Schwaninger sang dort alles, was die leichte Muse hergab. Als der ehemalige Augsburger Intendant Ulrich Peters dort die Regie übernahm, wagte Schwaninger 2008 den Sprung in die Selbstständigkeit.

Bisher erfolgreich, denn inzwischen ist er als Tenor in ganz Europa gefragt und nähert sich seinen Traumrollen. So singt er im Frühjahr 2011 am Theater Augsburg den Tristan in Wagners "Tristan und Isolde", träumt von Lohengrin und Tannhäuser - und natürlich von Bayreuth. "Jeder, der Wagner singt, will auf der Bühne dieses Festspielhauses dieser Stadt stehen." Wenn es bei ihm weiterhin in dem gleichen Tempo nach oben geht, dürfte das nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Termine Fidelio wird am Freitag, 12. März, und am 4. April, im Theater gespielt. Für den 12. März gibt es noch wenige Restkarten, für den 4. April noch genügend. Und zwar beim Besucherservice des Theaters, Telefon 08 21/324-49 00.

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