Dienstag, 26. September 2017

04. Juli 2017 17:03 Uhr

Kreis Augsburg

Aussage von Missbrauchsopfer: Zen-Priester verführte Jugendliche

Ein Opfer des Zen-Pristers aus Dinkelscherben berichtet vor Gericht vom gemeinsamen Duschen und von Berührungen: Genpo D. soll sieben Buben missbraucht haben.

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Zen-Priester Genpo D. vor dem Landgericht.
Foto: Ulrich Wagner

Vinzenz (Name geändert) war 14 und auf der Suche. Wonach, wusste er nicht. „Ich war orientierungslos“, sagt der 34-Jährige heute. Sein leiblicher Vater interessierte sich nicht für ihn. Der Junge suchte schon früh Halt im Leben. Er traf auf den Buddhismus. Aber er traf auch auf den hohen Zen-Priester Genpo D. aus Dinkelscherben (Landkreis Augsburg). Und der verführte den Minderjährigen nach und nach gegen dessen Willen zu einer sexuellen Beziehung.

Zen-Priester soll sieben Buben missbraucht haben

Vinzenz war nicht der einzige, das belegen Zeugenaussagen im Prozess gegen D. Der 62-Jährige soll sieben Buben missbraucht haben. In einigen Fällen hat der Vize-Präsident des Buddhisten-Weltverbandes WFB gezielt seine Stellung als Zen-Meister ausgenutzt, um sexuelle Neigungen an den Schülern auszuleben. Vinzenz war einer von ihnen. Er berichtet am Dienstagvormittag, wie subtil Genpo D. vorgegangen ist: Mit viel Verständnis für die Jugendlichen, aber auch einer klaren Gehorsams-Beziehung zwischen Meister und Schüler, gelang es dem Angeklagten, die verwirrten Teenager in die Bredouille zu bringen. „Das fing klein an und wurde immer mehr“, sagt Vinzenz.

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Irgendwann machte Genpo D. seinem Schüler bei einer Atemübung im Dinkelscherbener Tempel die Hose auf und berührte sein Glied. Später gestand er dem Heranwachsenden, dass er in ihn verliebt sei und am liebsten mit ihm „nach Burma abhauen würde“. Vinzenz verstand die Welt nicht mehr. „Besonders gemein war, dass er mir aufoktroyiert hat, dass ich schwul bin – obwohl ich sexuell noch gar nicht orientiert war“, sagt Vinzenz heute.

Irgendwann wurde es dem jungen Mann zu viel

Er ließ alles geschehen, auch als Genpo D. ihn zum gemeinsamen Duschen aufforderte. Denn der Zen-Meister lockte ihn mit einem „Koan“, einem spirituellen Rätsel, das man nur erhält, wenn man auf seinem Zen-Weg vorangekommen ist. Doch irgendwann wurde es dem jungen Mann zu viel. In Gesprächen betonte er immer wieder, dass er das nicht will. Genpo D. wandte sich einem anderen Schüler zu.

Als Vinzenz in einem Brief von „sexueller Nötigung“ schreibt, erhält er einen Entschuldigungsbrief vom Zen-Meister. Heute ist Vinzenz Sozialpädagoge. Er ist in Therapie. Und er sagt mit fester Stimme: „Ich bin hetero.“

Der Prozess gegen Genpo D. geht am Freitag weiter. Das Urteil soll nächsten Dienstag fallen.

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Augsburg | Dinkelscherben | Burma

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