Donnerstag, 18. Januar 2018

09. September 2016 06:25 Uhr

Verkehr

Auto gegen Tram: Fast jeden zweiten Tag kracht’s

In Augsburg kam es 2015 zu 148 Zusammenstößen zwischen Autos und Trams. Was Stadtwerke und Bauverwaltung dagegen tun.

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Schauplatz Bürgermeister-Ulrich-Straße: Bei einem Zusammenstoß mit einem Kleintransporter wurden vier Tram-Fahrgäste und der Autofahrer bei dem Unfall im Mai 2015 verletzt.
Foto: Anne Wall

Die Lichtleisten im Boden sorgten im Frühjahr für viel Aufsehen: Als die Stadtwerke im April testweise Bodenampeln an zwei Haltestellen installierten, um unter anderem nach unten blickende Smartphone-nutzer besser auf die Gefahren von kreuzenden Straßenbahnen hinzuweisen, gab es Lob und Häme. Aktuell befragten die Stadtwerke ihre Fahrer dazu, ob die Bodenampeln die Situation verbessert haben. Ein Ergebnis steht noch aus.

Dabei sind Unfälle mit Straßenbahnen im 45 Kilometer langen Liniennetz in Augsburg gar nicht so selten. Unfälle mit Fußgängern und Radlern sind eher die Ausnahme, wobei diese dann mitunter schwere Folgen nach sich ziehen. Fußgänger sind am ehesten in Haltestellenbereichen gefährdet. Zuletzt gab es 2009 einen Todesfall in Augsburg.

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Zwischen Autos und Straßenbahnen krachte es im vergangenen Jahr in Augsburg immerhin 148 Mal – also fast jeden zweiten Tag. Allerdings sind in dieser Zahl auch Blechschäden enthalten, wenn etwa ein zu weit in der Straße geparktes Auto von einer Tram am Spiegel touchiert wird. „In der großen Menge sind es kleine Unfälle. Einmal pro Woche kommt es aber auch zu einer größeren Störung“, sagt Stadtwerkesprecher Jürgen Fergg. Pro Jahr legen die Augsburger Straßenbahnen in Augsburg 4,8 Millionen Kilometer zurück.

48 Verletzte bei Zusammenstoß

Wenn es zwischen Straßenbahnen und Autos kracht, dann teils mit schlimmen Folgen. Eine Auswahl: Vor vier Jahren schlitzte ein abbiegender Lkw eine Tram an der Einmündung Alter Postweg/Konrad-Zuse-Straße seitlich auf. Es gab 48 Verletzte. Vor zwei Jahren erfasste eine Tram in der Postillionstraße nahezu ungebremst das Auto einer 19-Jährigen, die lebensgefährlich verletzt wurde. Und in diesem März fuhr ein Lkw im Univiertel gegen eine Straßenbahn. Es gab drei Verletzte und eine Million Euro Schaden. Zuletzt stießen im August ein regelwidrig abbiegender Lkw und eine Straßenbahn an der Ulrichsbrücke in Lechhausen zusammen. Das Führerhaus des Lkw kippte vornüber auf die Straße. Schaden: mehrere hunderttausend Euro.

Eine aktuelle Studie der Unfallforschung der Versicherungswirtschaft, die bundesweit Unfälle mit Straßenbahnbeteiligung und Verletzten in den Jahren 2009 bis 2011 (darunter 99 Fälle in Augsburg) untersuchte, kam zum Ergebnis, dass Straßenbahnen im Verhältnis zu ihrer Kilometerleistung in auffallend viele und schwere Unfälle verwickelt sind.

Bezogen auf die Zahl der transportierten Menschen schneidet die Straßenbahn hingegen besser ab. Heißt: Um eine Straßenbahnfahrt zu kompensieren, wären viele Pkw-Fahrten nötig, verbunden mit entsprechendem Risiko. Für die Fahrgäste selbst ist die Straßenbahn ein sehr sicheres Transportmittel, errechnete das Statistische Bundesamt – wenn es Tote und Verletzte gibt, sind in erster Linie Fußgänger betroffen. Im Verkehrsgeschehen ist die Straßenbahn mit ihren 40 Tonnen und der Trassierung mitten in der Straße oder seitlich dazu ein Faktor, den abbiegende Autofahrer nicht immer auf der Rechnung haben. Denn die Schuld an Unfällen haben in der Regel nämlich nicht die Straßenbahnfahrer. Eine stichprobenartige Auswertung der Polizei fürs erste Halbjahr 2016 ergab, dass von 33 Unfällen, bei denen sie gerufen wurde, nur in zwei Fällen ein Verschulden des Fahrers vorlag. Einmal waren ein Radler, zweimal Fußgänger schuld – und beim Rest Autofahrer. „Es handelt sich meist um abbiegende Autos an Knotenpunkten“, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann.

Unfallkommission eingerichtet

Nach dem Unfall mit fast 50 Verletzten am Alten Postweg vor vier Jahren richteten Tiefbauamt, Stadtwerke und Polizei eine Unfallkommission ein, die alle Tram-Übergänge unter die Lupe nahm. Geändert wurde etwas an Übergängen auf der Linie 1 (Blücher-/Stätzlinger Straße) sowie auf der Linie 3 (Alter Postweg und Universitätsstraße). Am Alten Postweg überwachte man die Unfalleinmündung sogar mit Video über längere Zeit, um das Verhalten von Autofahrern an der Ampel zu ergründen. Das Ergebnis: Mitunter übersahen Autofahrer den roten Abbiegepfeil an der Ampel, der beim Annähern einer Tram leuchtet.

„Am sichersten wäre es, alle anderen Ampeln an einer Kreuzung auf Rot zu schalten, wenn eine Straßenbahn kommt“, sagt Gunter Höhnberg vom Tiefbauamt. Das würde dann aber lange Standzeiten für Autofahrer auslösen – an Hauptverkehrsstraßen würde das zum Infarkt führen, zumal die Straßenbahnen sich ihr Grünlicht über eine Vorrangschaltung holen, die den Autoverkehr ausbremst.

Stattdessen wird oft nur für querenden Autoverkehr und für Abbieger, die die Gleise überqueren, auf Rot geschaltet. Allerdings dürfen Autofahrer dann keine Fehler machen und rote Abbiegeampeln übersehen. „Durch größere Ampeln und Blinklichter versuchen wir, die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf die Situation zu lenken“, sagt Höhnberg. Auch das Versetzen von Haltestreifen an Ampeln oder in Einzelfällen doch das Abschaffen von gesonderten Abbiegephasen sind Möglichkeiten, Unfälle zwischen Autos und Tram einzudämmen. »Kommentar

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Ein Artikel von
Stefan Krog

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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